Die Biodynamic Wine Fair ging am 25. April 2026 in Mainz in die dritte Runde. Im Alten Postlager trafen sich knapp 60 Weingüter aus acht deutschen Regionen sowie aus mehreren europäischen Ländern. Rund 250 Besucherinnen und Besucher kamen nach Angaben von Demeter zur Fachmesse – etwa doppelt so viele wie im Vorjahr. Die Messe war 2026 erstmals auf einen Tag verkürzt worden; zugleich fiel die Zahl der Aussteller wegen kleinerer Räumlichkeiten niedriger aus als im Vorjahr. Die Messe gilt als Treffpunkt für Demeter-Wein, biodynamischen Weinbau und Bio-Weinhandel. Sie richtet sich gezielt an Fachpublikum aus Handel, Gastronomie, Sommellerie, Weinbau und Fachpresse. Parallel fanden in Mainz drei weitere Weinmessen statt. Erstmals wurden alle vier Veranstaltungen unter dem Dach „Wine Mainz“ gebündelt.
Kurz erklärt: Demeter-Wein
Demeter-Wein stammt aus biodynamisch wirtschaftenden Betrieben, deren Richtlinien über die EU-Öko-Vorgaben hinausgehen. Im Weinberg stehen Bodenfruchtbarkeit, Biodiversität, geschlossene Kreisläufe und die Stärkung der Reben im Mittelpunkt. Auch im Keller gelten teils eigene Vorgaben: Die Entalkoholisierung durch Vakuumdestillation ist bei Demeter beispielsweise nicht zugelassen, obwohl sie nach EU-Öko-Verordnung wieder erlaubt ist.
Anspruchsvolles Marktumfeld für biodynamische Weine
In Gesprächen vor Ort wurde deutlich, dass viele Betriebe derzeit vor ähnlichen Herausforderungen stehen. Dazu zählen ein rückläufiger Weinkonsum, veränderte Marktstrukturen und die Auswirkungen des Klimawandels. Auch Demeter bewertet den Weinmarkt als anspruchsvoll. Der starke Preisfokus im Konsumverhalten wirke sich auch auf biodynamisch erzeugte Weine aus, teilte der Verband auf Anfrage mit. Steigende Lebenshaltungskosten führten dazu, dass Verbraucherinnen und Verbraucher ihre Ausgaben stärker abwägen. Im Handel blieben dadurch selbst hochwertige Weine mitunter länger im Regal, was Auslistungen oder Verschiebungen in günstigere Segmente begünstigen könne.
Trotz des schwierigen Marktumfelds sieht Demeter auch Rückenwind: Eine wachsende Zielgruppe honoriert gezielt die Leistungen biodynamisch arbeitender Betriebe. Dazu zählt der Verband die Förderung der Biodiversität im Weinberg, den Verzicht auf Insektizide zugunsten von Nützlingen, nachhaltige Praktiken und eine hohe Sorgfalt im Keller. Diese Wertschätzung trage dazu bei, dass biodynamische Weine national wie international stärker wahrgenommen würden. Von ähnlichen Herausforderungen berichtete auch Bio-Winzer Matthias Baumann vom Weingut Baumann aus dem Taubertal im Gespräch mit BioHandel.
Biodynamischer Weinbau als Antwort auf Trockenheit und Frost
Nach Einschätzung von Baumann zeigen sich die Folgen des Klimawandels im Weinbau bereits seit Jahren. Der Austrieb erfolge heute teils deutlich früher, wodurch die Triebe im Frühjahr noch den Frost abbekämen. Zugleich nehme die Trockenheit zu: In seiner Region habe es zuletzt spürbar weniger Niederschlag gegeben. Biodynamisch wirtschaftende Betriebe setzen hier unter anderem auf gesunde, humusreiche Böden, die Wasser besser aufnehmen können, sowie auf Maßnahmen zur Stärkung der Bodenfruchtbarkeit. Dazu kann auch der Einsatz von Schafen im Weinberg zählen: Diese übernehmen Pflegearbeiten, düngen den Boden und sind Teil des biodynamischen Kreislaufgedankens. Ziel ist es auch, die Reben widerstandsfähiger gegenüber extremen Wetterlagen zu machen.
Wie Demeter-Weingüter auf neue Konsumtrends reagieren
Wie Betriebe auf die aktuellen Entwicklungen reagieren, fällt unterschiedlich aus. Beim Weingut Baumann spielt etwa die eigene Besenwirtschaft als direkter Vertriebskanal eine wichtige Rolle. Andere Betriebe setzen auf neue Produktkategorien. Alkoholfreie Weine sind im Biosegment weiterhin ein Spezialthema: Seit dem vergangenen Jahr ist die Entalkoholisierung in Form der Vakuumdestillation laut EU-Öko-Verordnung wieder erlaubt, bei Demeter jedoch nicht. Stattdessen entstehen etwa alkoholreduzierte Weine oder alternative Getränke auf Traubenbasis. Solche Angebote waren auch auf der Biodynamic Wine Fair zu sehen.
Für den Handel, insbesondere den Bio-Fachhandel, sieht Winzer Matthias Baumann eine wichtige Aufgabe darin, Demeter-Weine am Point of Sale sichtbarer zu machen und der Kundschaft ihre biodynamische Anbauweise besser zu erklären.
Hinweis der Redaktion: Dieser Artikel wurde am 8. Mai 2026 aktualisiert und um Angaben von Demeter zur Besucherzahl, zur Entwicklung der Messe und zur Markteinschätzung ergänzt.
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