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Bio-Verbände kritisieren Rainer – und gründen „Taskforce Dürre“

Hilfen für Landwirte

Mehr Geld für alle Höfe als Antwort auf die Dürre? Bio-Verbände kritisieren die Pläne von Landwirtschaftsminister Alois Rainer. Statt höherer Flächenprämien fordern sie gezielte Hilfen und Investitionen, die Betriebe langfristig krisenfester machen. Gemeinsam wollen Anbauverbände eine effiziente Verteilung von Bio-Futtermitteln erreichen.

Verbände und Verbraucherschützer, darunter der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft (BÖLW), Bioland und Demeter, wenden sich gegen Pläne von Bundeslandwirtschaftsminister Alois Rainer, die Direktzahlungen an alle landwirtschaftlichen Betriebe in Deutschland aufzustocken. Rainer begründete das Vorhaben mit den schlechten Ernten aufgrund der Rekordhitze und der Dürreperiode in diesem Sommer. 

„Die Dürre-Krise fordert eine konsequente Unterstützung der landwirtschaftlichen Betriebe. Das gilt auch bei den Direktzahlungen: Sie sind wichtig, weil sie unabhängig von Ertrag und Marktpreis gezahlt werden und damit Einkommen stabilisieren“, so Rainer. Der Minister will deshalb bei den Direktzahlungen 2027 den vollen Spielraum ausschöpfen und statt wie in diesem Jahr rund 4,1 Milliarden Euro im kommenden Jahr 4,9 Milliarden verteilen. Gleichzeitig will sein Ministerium das ursprünglich vorgesehene Gesetzgebungsverfahren zur Festlegung der Direktzahlungen 2027 nicht weiterverfolgen. 

Am Dienstag hatte der Deutsche Bauernverband (DBV) seinen Erntebericht für 2026 vorgestellt. Der Verband rechnet mit einer unterdurchschnittlichen Getreide- und Kartoffelernte. Ähnlich ist die Situation auch bei Bio-Landwirten: Trockenheit und Hitze haben auch hier die Getreideernte beeinträchtigt. Laut Agrarmarkt-Informationsgesellschaft (AMI) gab es bei Wintergerste, Roggen, Dinkel und Winterweizen überwiegend durchschnittliche Erträge. Deutlich kritischer sei die Lage bei Sommerfrüchten, vor allem bei Hafer, denen die Hitze und Trockenheit noch stärker zugesetzt habe. Auch bei der Kartoffelernte zeichnen sich demnach unterdurchschnittliche Erträge ab. Hinzu komme ein geringeres Wachstum der Knollen, was die Bruttomenge weiter schrumpfen lasse, so die AMI.

BÖLW fordert Investitionen in effektiven Klimaschutz und Klimaanpassung

Der BÖLW hält nichts von den Plänen des Bundesministeriums für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH), die Direktzahlungen an alle deutschen Landwirte zu erhöhen – unabhängig davon, ob ihre Flächen von Dürre betroffen waren oder nicht. Es sei klar, „dass notleidende Betriebe jetzt Hilfe brauchen“, stellt der geschäftsführende BÖLW-Vorstand Peter Röhrig klar. Jedoch: „Auf alle verteilt werden die Zahlungen je Hof so gering sein, dass es keinen von Dürre und Missernten gebeutelten Betrieb rettet.“ Gleichzeitig führe der Zuschuss für die Betriebe, die dieses Jahr gute Ernten hatten, kaum zu mehr vorsorgendem Klimaschutz, erklärte Röhrig und forderte Investitionen in effektiven Klimaschutz und Klimaanpassung. 

Auch der Demeter-Verband fordert in der aktuellen Lage Unterstützung für die Landwirte. Doch auch dort hält man noch höhere an die Fläche gebundene Direktzahlungen für das falsche Signal. „Echte Stabilität und Planungssicherheit entstehen nicht durch höhere Flächenprämien allein. Sie entstehen, wenn Politik Klimaschutz ernst nimmt und die Betriebe gezielt unterstützt, ihre Bewirtschaftung an die künftigen Herausforderungen durch Extremwetter anzupassen“, erklärt Jörg Hütter, politischer Sprecher von Demeter. Eine Landwirtschaft mit gesunden Böden, lebendigen Ökosystemen und einer ressourcenschonenden Bewirtschaftung sei die beste Versicherung gegen die Folgen der Klimakrise und die Grundlage für die langfristige Ernährungssicherung in Deutschland.

Jüngste Daten der Qualitätsgemeinschaft Bio-Mineralwasser zeigen, dass im Jahr 2025 trotz der auch dort herrschenden massiven Dürre, auf deutschen Ökoflächen über 2,7 Milliarden Kubikmeter Wasser geschützt und sauber in die Grundwasserspeicher geleitet wurden. „Der Verzicht auf Ackergifte im Ökolandbau sparte der Allgemeinheit zudem bis zu 1,8 Milliarden Euro an Wasseraufbereitungskosten“, teilte der Verband mit. 

„Taskforce Dürre“ für bessere Verteilung von Bio-Futtermitteln

Bioland-Präsident Jan Plagge macht darauf aufmerksam, dass das Geld aus der GAP für langfristige Investitionen vorgesehen sei und darum dort investiert werden sollte, wo Landwirtschaft krisenfester werde. Als Beispiele nannte er gesunde Böden, Artenvielfalt, Wasserrückhalt, vielfältige Fruchtfolgen und eine ressourcenschonende Bewirtschaftung. „Wenn der Bund den Spielraum bei den Direktzahlungen für 2027 nun schon vollständig ausschöpft, muss damit mehr erreicht werden, als ein kurzfristiger Einkommenspuffer“, so Plagge. 

Besonders ernst ist die Lage in diesem Jahr in der Tierhaltung, wo die anhaltende Trockenheit zu erheblichen Engpässen bei der Futterversorgung geführt hat. Stellenweise mussten Tiere bereits notgeschlachtet werden. Um vorhandene Futtermittel möglichst schnell den Höfen zur Verfügung zu stellen, die diese dringend benötigen, haben die Bio-Anbauverbände Biokreis, Bioland, Biopark, Demeter, Ecoland, GÄA, Naturland und Verbund Ökohöfe die „Taskforce Dürre“ gegründet. 

Gemeinsam wollen die Verbände nicht nur kurzfristig bei der Beschaffung von Futtermitteln helfen, sondern auch dazu beitragen, die vorhandenen Ressourcen möglichst effizient einzusetzen. Dafür sollen die Bedarfe von Verbandsbetrieben in den besonders von der Dürre betroffenen Regionen mit verfügbaren Futterressourcen in Deutschland und Italien zusammengebracht werden. 

Die anhaltende Dürre hat insbesondere in Teilen Süddeutschlands zu erheblichen Ernteausfällen geführt. Auf vielen landwirtschaftlichen Betrieben werden dadurch die Futtermittel für die Nutztierhaltung knapp. Die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg haben deshalb Anfang August 2026 den Katastrophenfall im Sinne des EU-Öko-Rechts ausgerufen und damit Bio-Tierhaltern gestattet, auch auf bestimmte konventionelle Futtermittel zurückzugreifen, ohne dadurch grundsätzlich ihren Bio-Status zu verlieren. 

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Bio-Landwirte in Bayern und Baden-Württemberg können wegen der Dürre auf bestimmte konventionelle Tierfuttermittel zurückgreifen. Anbauverbände appellieren an die Politik. Kritik gibt es an Minister Alois Rainer.

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