Lebensmittel neu denken, transparenter und nachhaltiger produzieren, umweltfreundlicher verpacken: Was die Bio-Pioniere seit rund 50 Jahren antreibt, ist heute auch Motivation vieler junger Unternehmen, die die Konsumgewohnheiten positiv verändern wollen. Food-Start-ups sind so etwas wie eine Frischzellenkur für Lebensmittelhändler. Bioläden helfen sie dabei, sich zu profilieren – auch gegenüber dem konventionellen Handel, der immer mehr Bio-Ware anbietet.
Kunden wollen sowohl Kontinuität als auch Abwechslung
Groß- und Einzelhändler überprüfen regelmäßig ihr Sortiment und passen es an, um auf die Bedürfnisse ihrer Kundschaft einzugehen. Diese möchte einerseits Kontinuität am Regal, andererseits aber auch Neues entdecken. Start-ups spielen dabei eine wichtige Rolle.
Die Auswahl fällt nicht immer leicht. Großhändler und Filialisten berichten über einen stetigen Strom an Anfragen von jungen Unternehmen, die mit ihrem Produkt im Fachhandel gelistet werden wollen. Gleichzeitig ist der Platz in den Läden begrenzt. Neue Produkte brauchen gute Argumente, um Bestandsware abzulösen, der Kriterienkatalog der Händler ist lang. Neben Innovation zählt für sie, wie das jeweilige Produkt angebaut, verarbeitet, verpackt und transportiert wird. Regionalität ist dabei ein gewichtiges Argument. Und am Ende muss das Produkt nicht nur einen Preis haben, den die Kunden akzeptieren, sondern auch gut schmecken. Ist das alles erfüllt, können mitunter nur wenige Wochen vergehen, bis ein Neuprodukt im Laden steht.
Hier stellen wir Ihnen Start-ups vor, die mit ihren Bio-Produkten einen Unterschied im Regal machen wollen.
Pastasaucen von Mamma Natur
Giuliano Pascarella und Marica Pascarella
Was macht Mamma Natur?
Giuliano Pascarella: Mamma Natur macht authentische italienische Bio-Pastasaucen und Pesti, die so schmecken, als wären sie frisch gekocht. Wir bringen die Einfachheit und Qualität der italienischen Küche ins Regal.
Was macht Euch besonders?
Wir arbeiten mit maximal fünf bis sieben Zutaten, verzichten komplett auf Zusatzstoffe, Zuckerzusatz und setzen ausschließlich auf italienisches Olivenöl. Unsere Produkte schmecken so, wie man es aus Italien kennt.
Wo seid Ihr gelistet – im Bio-Fachhandel oder im LEH?
Aktuell liegt unser Fokus auf dem Naturkostfachhandel und Reformhäusern. Dort sind wir bereits überregional vertreten.
Warum macht Ihr, was Ihr macht?
Weil gutes Essen einen Unterschied macht. Wir kommen aus der italienischen Esskultur, in der Qualität, Einfachheit und Herkunft selbstverständlich sind. Mit Mamma Natur übertragen wir genau dieses Verständnis in unsere Produkte.
Mamma Natur
Mamma Natur GmbH
Marschallstraße 10
13585 Berlin
Deutschland
Geschäftsführung: Giuliano Pascarella
Gründung: 2021
Mitarbeitende: 3
Bunte Backmischungen von Farolina
Daniela Fründ
Was macht Farolina?
Daniela Fründ: Farolina ist im Bereich der kombinierten Backmischungen unterwegs. Wir haben verschiedene Backmischungen, sei es für Pancakes, Waffeln, Kekse und Kuchen, sowie auch Spezialmehle, weil wir den Bereich des professionellen Backens für zu Hause zugänglicher und einfacher machen wollen.
Was macht Euch besonders?
Dass wir immer wieder Trends aufgreifen. Und wir wollen Farbe in die Backwelt bringen, aber auf natürliche Weise. Wir nutzen biopflanzliche Extrakte – zum Beispiel Spirulina, Rote-Bete-Pulver, Karottenpulver oder Matcha – und schaffen es auf diese Weise, dass unsere Gebäcke auch beim Backen ihre Farbe behalten. Das ist die große Herausforderung.
Wo seid Ihr gelistet – im Bio-Fachhandel oder im LEH?
Wir haben ein etwas anderes Modell: Wir entwickeln kundenspezifisch für Handelsmarken. Dabei stellen wir verschiedene Konzepte vor, die wir dann gemeinsam entwickeln. Mit dem Ziel, in den Produkten Tradition, Moderne und Trends zu vereinen.
Warum macht Ihr, was Ihr macht?
Farolina setzt sich zusammen aus Faro, dem Mehl, und Lina: Also die Liebe zum Mehl. Das ist unsere Wiege, wir kommen aus dem Mühlen-Business. Gutes Essen bringt Menschen, Kulturen, Familien zusammen. Wir wollen einfach viele begeistern und, angefangen von den Kids, bis hin zu den älteren Generationen, alle zusammenbringen.
Farolina
Farolina GmbH
Luitpoldstraße 60
67459 Böhl-Iggelheim
Deutschland
Geschäftsführung: Daniela Fründ, Florian Berizzi
Gründung: 2024
Mitarbeitende: 3
Aperol Spritz in Bio-Qualität von Sankt Sprizz
Johannes Schubert
Was macht Sankt Sprizz?
Johannes Schubert: Ich produziere Aperitivo in Bioland-Qualität – als Alternative zu Aperol Spritz und Lillet Tonic. Das Ganze kommt in trinkfertigen kleinen Flaschen.
Was macht dich besonders?
Sankt Sprizz ein schönes, sprudeliges und nachhaltiges Lifestyle-Getränk für besondere Anlässe, mit dem jeder anstoßen kann. Den Aperitivo gibt es in drei Versionen: ganz ohne Alkohol, mit 1,0 und mit 5,0 Prozent Alkohol. Ich verzichte vollständig auf raffinierten Zucker. Der Zuckergehalt liegt stets auf dem Niveau einer ungesüßten Apfelschorle. Sankt Spritz soll ein Sehnsuchtsort sein.
Wo bist du gelistet?
Sankt Sprizz gibt es sind unter anderem bei den Bio-Großhändlern Bodan, Epos, Ökoring und Weiling. Aber ich will auch in den LEH, weil ich die Masse brauche, um nachhaltig wachsen zu können.
Warum machst du, was du machst?
Passion. Weil ich fest daran glaube, dass ein Aperitivo ohne Farb- und Zusatzstoffe auskommen kann und Dolce Vita nicht immer ungesund sein muss.
Sankt Sprizz
Aperitivo Kollektiv GmbH
Sudetenstraße 116
83052 Bruckmühl
Deutschland
Geschäftsführung: Johannes Schubert
Mitarbeitende: 2
Gründung: 2025
Seifen aus Kaffeesatz von Coffecycle
Leonardt Mücke (li.) und sein Partner Liam Metzen
Was macht Coffeecycle?
Wir produzieren Naturkosmetik mit Kaffeesatz, den wir von Hamburger Cafés und Hotelketten bekommen. Hierzu gehören feste Seifen, Deocreme und bald auch flüssige Seifen.
Was ist das Besondere an euren Seifen?
Wir upcyclen den Kaffeesatz zu einem neuen Produkt. Durch den Kaffeesatz haben unsere Seifen einen Peeling-Effekt, der die Durchblutung der Haut fördert, und außerdem auch eine antioxidative Wirkung, durch das darin enthaltene Koffein. Kurz gesagt: Bei uns trifft traditionelle Seifenkunst auf modernes Upcycling.
Warum gehört ihr in den Handel?
Wir haben Seifen entwickelt, mit denen man keine Abstriche bei der Funktionalität machen muss und die außerdem nachhaltig sind. Gleichzeitig setzen wir hochwertigste Inhaltsstoffe ein, und können unsere Seifen dennoch zu einem konkurrenzfähigen UVP von 4,90 Euro anbieten. Hinzu kommt ein Storytelling, das unsere Kunden sehr schätzen. So konnten wir uns bei diversen Testlistungen durchsetzen und landeten am Ende deutschlandweit im Regal. Die Kunden verstehen das Konzept und sind bereit, für die Innovation und dennoch klassische Herstellung einen Aufpreis zu zahlen.
Wo kann man eure Seifen kaufen?
Wir haben Seifen in den Düften Orange, Pfirsich, Meeresbrise sowie eine Weihnachtsseife, die nach Vanille und Muskat riecht. Kaufen kann man uns deutschlandweit bei Alnatura, in ausgewählten Denns Biomärkten, Manufactum und einigen Reformhäusern. Insgesamt gibt es unsere Produkte in Deutschland, Österreich und Belgien bei über 350 Läden.
Warum macht ihr, was ihr macht?
Wir wollen möglichst viel Seife verkaufen, um möglichst viel Kaffee zu recyceln. Entstanden ist unsere Idee während unserer Arbeit in einem Café, da wir hier immer den Kaffeesatz entsorgen mussten. Jetzt wollen wir den Kosmetikmarkt nachhaltiger gestalten und unsere Love Brand weiter ausbauen. Dies tun wir im nächsten Schritt mit einer flüssigen Seife, die wir in den letzten 2 Jahren entwickelt haben. Bis heute konnten wir über 300.000 Seifen verkaufen und so einige Tonnen Kaffeesatz recyceln.
Coffeecycle
Coffeecycle GmbH
Hegestieg 1
20249 Hamburg
Geschäftsführung: Liam Metzen
Gründung: 2022
Mitarbeitende: 2
Afrikanische Erfrischungsgetränke von Afro Drinks by Bam
Marya Esita Kapenda und Kocou Ben Aziabou
Was macht Afro Drinks by Bam?
Wir produzieren mit Bissap das erste traditionelle afrikanische Erfrischungsgetränk aus getrockneten Hibiskusblüten auf dem deutschen Markt.
Was ist das Besondere an Bissap?
Bisher gibt es nichts Vergleichbares auf dem deutschen Markt. Bissap hat den unverwechselbar süß-säuerlichen Geschmack der Hibiskusblüten und wird in Deutschland auf traditionelle Weise mit wenigen, natürlichen Zutaten hergestellt. Es ist bio, vegan, mit 89 Prozent Fruchtsaftgehalt und ohne Zusatz- oder Farbstoffe. Besonders ist auch unser Social Impact: Ab 6.000 verkauften Flaschen fließen 5 Cent pro Flasche in den Bau eines Jugendhauses in Togo.
Warum gehört ihr in den Biohandel?
Weil es authentische afrikanische Erfrischungsgetränke bisher nicht auf dem deutschen Markt gibt. Noch dazu werden sie aus reinen Zutaten hergestellt, sind also nicht nur lecker, sondern auch gesund.
Wo kann man Bissap kaufen?
Bisher wird Bissap in zwei Rewe-Märkten, an Unis sowie in verschiedenen Cafés und Restaurants angeboten.
Warum macht ihr, was ihr macht?
Wir möchten, dass die Menschen hier die afrikanische Kultur und eben auch echte afrikanische Getränke kennenlernen. Außerdem wollen wir auch den Menschen in Afrika etwas zurückgeben. Wir glauben daran, dass ein Getränk mehr sein kann als ein Durstlöscher. Es kann eine Botschaft vermitteln, Kulturen vermitteln und echten Impact schaffen.
Afro Drinks by Bam
Afro Drinks by Bam GmbH
Dorstener Straße 397B
44809 Bochum
Geschäftsführung: Kocou Ben Aziabou/Marya Esita Kapenda
Gründung: 2023
Mitarbeitende: 2
Vegane Curds von Genusshandwerk Bauer
Christian Bauer
Was macht Genusshandwerk Bauer?
Ich bin Ökotrophologe mit jahrelanger Erfahrung in der Produktentwicklung in der Lebensmittelindustrie. Als Genusshandwerk Bauer stelle ich vegane Bio-Brotaufstriche her. Es gibt eine herzhafte Linie unter der Marke Erfurter Streich. Neu im Sortiment habe ich außerdem Fruit Mood. Das sind bio-vegane Lemon Curds.
Was ist das Besondere an Fruit Mood?
Curds sind Zitrusfruchtaufstriche mit einem gewissen Fettanteil. Sie stammen aus England und werden dort in der Regel mit Ei und mit Butter hergestellt. Wir haben eine vegane Alternative entwickelt. Die Butter ersetzen wir durch Kokosöl, statt Ei nutzen wir ein Pflanzenprotein. Das Ergebnis sind extrem fruchtige Aufstriche auf Basis von Zitrusfrüchten, die ein bisschen Spannung und Spaß in den Tag bringen sollen. Wir sind die einzigen Curd-Anbieter im Bio-Segment. Und wir legen Wert auf natürliche Zutaten.
Warum gehört ihr in den Biohandel?
Weil das Thema Curd im Biohandel bisher nicht wirklich vorhanden ist. Dabei sind Curds ein wunderbares Produkt und eine super Alternative zu Marmelade. Zudem kann man damit backen und als Aufstrich oder in Joghurt gerührt ist es vielfältig einsetzbar. Die Rezeptwelt rund um Curd ist enorm.
Wo kann man Fruit Mood kaufen?
Wir vertreiben unsere Curds primär im Biofachhandel. Darauf liegt aktuell unser Fokus als Nischenanbieter. Ich bin aber über meine anderen Produkte auch im LEH gelistet und nutze auch diese Vertriebswege.
Warum machst du, was du machst?
Weil ich überzeugt bin, dass Lebensmittel sowohl Genussmomente verschaffen sollten, als auch einen positiven Beitrag auf unsere Stimmung haben können. Außerdem war ich nicht mit dem Status quo in der Produktentwicklung zufrieden. Ich komme aus diesem Bereich und bin der Meinung: Da geht mehr!
Genusshandwerk Bauer
Genusshandwerk Bauer
Tiergartenstraße 2
ehem. Condomi Werksgelände
99089 Erfurt
Geschäftsführung: Christian Bauer
Gründung: 2023
Mitarbeitende: 1
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