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Vivani, iChoc

Ecofinia: Bochumer Bio-Schokolade von Weltrang

Mit hochprozentiger Bio-Bitterschokolade hat Ecofinia vor 25 Jahren den Markt erobert. Heute sind die Marken Vivani und iChoc in aller Welt bekannt. Über große Trends, gutes Timing und eine überraschende Kooperation mit einem US-Superstar.

Das Erfolgsrezept der Vivani-Schokolade hat wenige Zutaten: „Es war das richtige Produkt zur rechten Zeit“, sagt Andreas Meyer, Gründer von Ecofinia. Im Jahr 2000 präsentierte er drei in letzter Minute produzierte Schokoladensorten (Bitter, Vollmilch und Vollmilch-Nuss in schlichter Verpackung) auf der Biofach-Messe in Nürnberg – an einem kleinen Stand im hintersten Eck. 

Es kamen nur wenige Kontakte zustande, dafür aber die richtigen, Dennree zum Beispiel. Glück gehört also auch zum Rezept. Und ein Produkt, das sich ohne Verdrängungswettbewerb verkaufen lässt. Zwar sahen einige Großhändler keine Notwendigkeit für eine neue Schokoladenmarke neben Rapunzel, erinnert sich Meyer. Aber hochprozentige Bitterschokolade in Bio-Qualität gab es eben noch nicht.

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Was dunkle Bio-Schokolade so wertvoll macht

Dunkle Bio-Schokolade ist ein Schnelldreher im Regal. Die Kundschaft schätzt die Qualität und dass der Kakao aus kontrolliertem Anbau stammt. Allerdings ist die Rohware auf dem Weltmarkt knapp – und sehr teuer.

Von Stunde Null an profitabel

Meyer stammt aus einer Bio-Vollkornbäcker-Familie, ist selbst gelernter Bäcker, studierter Ökotrophologe und kam über seine Arbeit als Produktmanager bei Gepa zur Schokolade. Gemeinsam mit Kollegen, die eigens von Lindt abgeworben worden waren, sollte er damals den Eintritt der fair gehandelten Gepa-Sorten in den LEH betreuen. Nebenbei durfte Meyer mit Erlaubnis von Gepa die Idee von seiner eigenen Bio-Marke verfolgen. 

Als er sich schließlich selbstständig machte, war er 42, vierfacher Familienvater und hatte ein Business-Modell mit kosteneffizienter Arbeitsteilung im Sinn: Er wollte Bio-Schokolade entwickeln und vertreiben, nicht aber selbst herstellen. Dafür warb er um einen starken Partner: eine der ältesten deutschen Schokoladenfabriken, Ludwig Weinrich in Herford. 

Noch so ein Glücksfall, dass Meyer dort – nach anfänglicher Skepsis seitens des Traditionsunternehmens – mit seiner Bio-Idee landen konnte. Obgleich der Seniorchef laut Meyer die hochprozentigen Schokoladen „nur mit der Kneifzange anfassen wollte“, wurden sie schnell zum Renner. „Es war ein leichter Start. Wir waren von Stunde Null profitabel“, berichtet Meyer.

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Private-Label-Aufträge namhafter Unternehmen

Weinrich fungiert seither als Muttergesellschaft, kümmert sich um Personal und Buchhaltung, unterstützt beim immer kniffligeren Thema Rohstoffbeschaffung, produziert die Schokolade, lagert sie ein und hält 50 Prozent der Geschäftsanteile. 

Ecofinia ist die findige Tochter, die nach Vivani schnell weitere Marken ins Haus brachte, unter anderem die vegane iChoc oder Björnsted, das Pendant zu Vivani für den skandinavischen Markt. Nachdem die Bio-Schokolade sich einen so guten Namen gemacht hatte, kamen Private-Label-Aufträge für namhafte Unternehmen hinzu.

Heute, 25 Jahre später, hat der 67-jährige Gründer die Geschäftsführung an seinen Sohn Noël (28) und Gerrit Wiezoreck (36) übergeben. Noël ist zuständig für Marketing und Produktmanagement, Gerrit kümmert sich um den Vertrieb der Marke und der Private-Label-Produkte. 

Ihre Ausgangsbedingungen unterscheiden sich in vielerlei Hinsicht von denen im Gründungsjahr: Damals, sagt Andreas Meyer, gab es eine Zielgruppe für Bio-Schokolade. Heute gibt es Kundschaft, die sich vegan oder zuckerfrei ernährt, es gibt Fitnessaffine, Körperbewusste und die Jungen, die ihre Vorlieben schnell wechseln und stark durch die sozialen Medien und Influencer beeinflusst werden.

Kostenloses Influencer-Marketing von Billie Eilish

Wie das funktioniert, dazu erzählt Pressesprecher Alexander Kuhlmann die firmeneigene Erfolgsgeschichte: Auf ihrer Welttournee im Jahr 2019 machte die amerikanische Sängerin Billie Eilish Station in Berlin und kaufte iChoc-Schokolade in einem Bio-Laden. Sie postete ein Foto der Tafel nebst Lob auf Instagram – wo ihr über 100 Millionen Menschen folgen.

Reiner Zufall sei das gewesen, erinnert sich Kuhlmann. Das Ecofinia-Team in Bochum erfuhr von diesem kostenlosen Influencer-Marketing erst beim Blick in den firmeneigenen Instagram-Account, der binnen weniger Stunden so viel Aufmerksamkeit bekam wie nie zuvor. Sogar eine Zusammenarbeit mit Eilish kam zustande: Im Jahr 2021 produzierte Ecofinia eine kleine Auflage von rund 6.000 Tafeln Eilish-Schokolade, die der Mega-Star an Thanksgiving in den USA an seine Fans verkaufte.

Beliebter Luxus-Artikel zum Verschenken

Treue Fans in aller Welt hat auch die Vivani-Schokolade, die in 50 Länder geliefert wird, unter anderem nach Holland, Südkorea, China, Japan und in die Mongolei. Und obwohl das Bio-Label nicht überall von Bedeutung ist – in China etwa gibt es keine Bio-Zertifizierung – wird die „moderne, ästhetische Premiummarke“, wie Wiezoreck Vivani charakterisiert, geschätzt und als Genuss-Artikel zum Verschenken gekauft.

„Kunst ist eine Weltsprache, Schokolade auch – beides wird überall verstanden“, sagt Gründer Andreas Meyer. Die Vorlagen für die individuellen Verpackungen der Vivani-Schokolade malt seit dem Jahr 2005 die Künstlerin Annette Wessel.

Meyer freut sich, wenn er zu Weihnachten von Geschäftspartnern Vivani-Schokolade geschenkt bekommt. Es zeigt ihm: Die Qualität der Schokoladen wird geschätzt. Neben Bioläden verkaufen inzwischen auch klassische Händler wie Edeka, Rewe und Tegut Vivani-Tafeln. Der Vertrieb der hochwertigen Vivani im Discount käme für Meyer indes nie infrage – auch wenn das Schokoladen-Geschäft knallhart geworden ist.

Qualität des Kakaos sinkt, Pestizidbelastung steigt

Die Qualität des Kakaos auf dem Markt, so berichtet Noël Meyer, nehme ab, die Pestizidbelastung zu. Dringend benötigte Chargen musste Ecofinia deshalb nach Prüfung schon ablehnen. Rohware in Bio-Qualität habe sich seit 2023 zudem um das Vier- bis Fünffache verteuert. „Der Rohstoffeinkauf ist für uns als kleinen Player eine riesige Herausforderung“, sagt der langjährige Vivani-Chef. 

Grund für den Preisanstieg sind Ernteausfälle. Die sensible Kakaopflanze, die rund um den Äquator wächst, benötigt die richtige Mischung aus Wärme und Feuchtigkeit. Extremwetter, Pilzbefall und Hurricanes übersteht sie nicht.

Die Herkunft des Kakaos ist für Ecofinia entscheidend. Deshalb bezieht das Unternehmen den Edelkakao für seine Demeter-Produkte von einem selbst initiierten Direkt-Anbauprojekt in der Dominikanischen Republik. Dort sowie in Panama hat Ecofinia weitere Handelspartner. In den Aufbau der Projekte und gute Beziehungen zu den Lieferanten habe man gemeinsam mit dem Mutterkonzern viel Zeit investiert, sagt Andreas Meyer.

Auch langjährige Verträge sind keine Garantie

Aber auch gute Kontakte und langjährige Verträge sind keine Garantie: Der Hauptlieferant konnte die Kontrakte laut Meyer 2024 nicht erfüllen. Zu störanfällig seien die Lieferketten und die klimatischen Bedingungen instabil.

„Konzerne können defizitär handeln. Wir nicht.“

Gerrit Wiezoreck, Co-Geschäftsführer Ecofinia

Obgleich die Preise sich auf hohem Niveau stabilisiert haben, befürchtet das Team von Ecofinia, dass das Angebot an Bio-Kakao weiter sinkt. Wegen des Preisanstiegs sei konventioneller Kakao so teuer wie solcher in Bio-Qualität. Die Bio-Bauern bekämen deshalb viele Angebote von Großkonzernen.

Andreas Meyer berichtet von Einkäufern, die Plantagen abklappern und alles aufkaufen, was verfügbar ist. „Man kann Bio-Kakao gut für konventionelle Produkte verwenden, aber nicht andersherum“, schildert Gerrit Wiezoreck das Dilemma. Er sagt: „Konzerne können defizitär handeln. Wir nicht.“ Für die Bio-Produzenten sei das ein Stresstest.

Dubai-Schokolade lässt den Wert der Pistazie steigen

„Die Qualität wird beibehalten und die Produkte sollen erschwinglich bleiben“, betont Wiezoreck. Um den Kakaobedarf in der Produktion etwas zu senken, hat das Team Riegel mit weniger Kakaoanteil entwickelt und Espressobohnen-Dragees mit Schoko-Ummantelung.

Und was sagt man in Bochum zum Trend der sogenannten Dubai-Schokolade? Sie war 2024 der große Renner und wurde für Preise von bis zu zehn Euro pro Tafel verkauft. Pressesprecher Kuhlmann berichtet, dass der Hype sogar in Bochum begann: Eine Influencerin aus der Stadt hatte die Schokolade von einer Dubaireise mitgebracht, sie 2023 selbst hergestellt und vor großem Publikum in einem Einkaufszentrum präsentiert.

Obwohl Kuhlmann nicht glaubt, dass dieser Hype nachhaltig ist: Er hat Schokolade immerhin in die Schlagzeilen gebracht – und den Verbrauchern die Pistazie als edle Zutat ins Bewusstsein gerufen. Gerrit Wiezoreck glaubt, dass die Zahlungsbereitschaft dafür jetzt größer sei.

„Manchmal waren wir mit unseren Ideen zu früh dran.“

Andreas Meyer, Ecofinia-Gründer

Trotz der angespannten Lage: Die „Neuen“, Noël Meyer und Gerrit Wiezoreck, sind guter Dinge. „Ecofinia ist eine robuste Firma“, sagt Wiezoreck. Und eine kreative. Manches, was Ecofinia im Laufe der Zeit ausprobiert hat, setzte sich nicht durch: Grüntee- und Kurkuma-Schokolade oder auch die mit Hanf sind inzwischen nicht mehr im Sortiment. „Manchmal waren wir mit unseren Ideen zu früh dran“, sagt Andreas Meyer rückblickend.

Dem Vegan-Hype weit voraus

Auch die veganen iChoc-Schokoladen, die Ecofinia seit 2013 im Sortiment hat, wurden zunächst misstrauisch beäugt, bevor der Vegan-Hype im Jahr 2015 in der Branche so richtig begann. „Ladner sollten an große Trends glauben und nicht nach dem eigenen Geschmack gehen“, wünscht sich Gerrit Wiezoreck.

Er betreut die Entwicklung von „Track your snack“ – einem QR-Code auf der iChoc-Schokolade, der Verbrauchern Auskunft darüber gibt, woher der Kakao stammt, der in dieser Tafel steckt. Obwohl das noch kein Verkaufsargument sei und Geld koste, so werde es in Zukunft ein „Must-Have“ sein, prophezeit Wiezoreck. „Die Kunden werden noch hybrider. Wir tun das Richtige!“

Zahlen – Daten – Fakten

  • Firma: Ecofinia
  • Standort: Bochum
  • Geschäftsführer: Noel Meyer und Gerrit Wiezoreck
  • Gründung: 2000
  • Mitarbeitende: 18
  • Sortiment: Schokoladentafeln und -dragees, -riegel, Kuvertüre, Trinkschokolade, Backkakao, Pralinen
  • Umsatz: 41 Millionen
  • Webseite: www.ecofinia.de
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