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40 Jahre Biovegan: Neustart eines Pioniers

Herstellerporträt

Vor 40 Jahren war die Produktion bio-veganer Lebensmittel Pionierarbeit. Heute gibt es die Produkte längst im LEH und Discounter. Auf dem Weg dorthin stand die Traditionsmarke Biovegan kurz vor dem Aus. Und ging verjüngt aus der Krise hervor. Ein Besuch in Bonefeld.

Im Sommer 2023 hätte die Geschichte von Biovegan zu Ende sein können. Damals meldete das einstige Familienunternehmen, das im Jahr 2020 an die Stuttgarter Beteiligungsgesellschaft Finexx verkauft worden war, Insolvenz in Eigenverwaltung an. 

Ein frischer Start gelang im darauffolgenden Frühjahr, als die Firma erneut in Familienbesitz kam: Familie Zimmermann aus Düsseldorf, Vater und Sohn, kündigten an, dem Biovegan-Team dabei zu helfen, das Unternehmen auf Vordermann zu bringen. Ansonsten wolle man sich im Hintergrund halten. 

„Das war die Begegnung, die wir gebraucht haben“, erinnert sich der heutige Geschäftsführer Karsten Lindlein an das erste Treffen im Winter 2023. Und tatsächlich klingt das neue Kapitel der Inhabergeschichte wie aus dem Bilderbuch. Zimmermanns verhalfen dem Unternehmen, das zuvor unter einer hohen Darlehenslast gelitten hatte, zu finanziellem Spielraum und hauchten ihm neues Leben ein.

„Wir hatten nie Absatz- oder Umsatzprobleme“, betont Lindlein. Aber erst mit den neuen Eigentümern, die eine zweistellige Millionensumme in Rohware und Personal investierten, konnte Biovegan wieder rentabel werden, ausreichend Vorräte anlegen und neue Produkte entwickeln. 

Investor steht dem jungen Team als Mentor zur Seite

Besonders wertvoll scheint für das Team der Austausch mit Thomas Zimmermann zu sein. Nach Lindleins Schilderungen hat er der Belegschaft von Anfang an großes Vertrauen entgegengebracht. Und er steht dem jungen Führungsteam als Mentor zur Seite, gibt Rat bei strategischen Entscheidungen. Einmal im Monat kommt man zusammen, um die nächsten Schritte zu besprechen.

Das ist hilfreich, denn: Die Mitarbeitenden sind im Durschnitt jünger als das 40-jährige Unternehmen selbst. Karsten Lindlein (35) kam im Jahr 2020 als Vertriebsmanager ins Unternehmen. Sein Studienfreund Edgar Kunzmann, den er zu Biovegan holte, ist 34. Beide kommen aus der Gegend, fühlen sich der Firma spürbar verbunden und sind heute gemeinsam für die Geschäftsführung verantwortlich. 

In den unruhigen und ungewissen Zeiten habe es kaum Weggang gegeben, erinnert sich Lindlein, im Gegenteil. Viele Mitarbeitende, die heute Verantwortung tragen, kamen direkt von der Uni oder nach der Ausbildung zu Biovegan. „Sie halfen dabei, Prozesse neu zu denken“, sagt Edgar Kunzmann. Inzwischen hat das Unternehmen eigene Auszubildende in Logistik, Technik und Produktion.

„Die Mitarbeiter gingen durch Dick und Dünn“, erinnert sich Kunzmann, der für Finanzen, Produktion, Supply Chain und Verwaltung zuständig ist. Biovegan sei „die Antwort auf den Fachkräftemangel“. Hier habe man die Möglichkeit, etwas Sinnstiftendes zu tun. Am Ende eines Arbeitstages habe jeder Einzelne einen Beitrag für die Umwelt geleistet. Dieses Commitment gelte seit 40 Jahren – und das macht es in den Augen der Geschäftsführer besonders glaubwürdig.

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Zehn Außendienstmitarbeitende für den LEH

Das Unternehmen scheint auf einem guten Weg zu sein: Im Jahr 2025 lag der Umsatz 2025 über 30 Millionen. Nach eigenen Angaben verzeichnet Biovegan ein Wachstum über dem Marktdurchschnitt. 

Inzwischen sind auch zehn Außendienstmitarbeiter unterwegs, um Biovegan-Produkte in Edeka- und Rewe-Regale zu bringen. „Wir sehen uns in der Verantwortung, mit den Konventionellen mithalten zu können“, sagt Geschäftsführer Lindlein. Nur so komme man als Marke in der Breite an.  

Als „Fokusthemen“ der Firma nennt das Geschäftsführer-Duo das Kochen und Backen. Pro Jahr produziert Biovegan 84.000.000 Tütchen Bio-Backzutaten wie Vanillezucker, Backpulver und Orangenschale. Nach eigenen Angaben ist die Firma einer der größten Hersteller in ganz Deutschland. Zu den Kunden der Private-Label-Sparte, die 50 Prozent der Produktion auslastet, gehören namhafte Discounter, Drogerien und LEH-Märkte. „Die Back- und Kochzutaten-Welt ist unser Rückgrat“, sagt Karsten Lindlein. Zur zweiten Sparte gehören Topseller wie der fertige Cheesecake, die zusammen mit einer benachbarten Großbäckerei entwickelt wurde. 

Perspektivisch sieht das Team Kochhilfen wie den firmeneigenen Rührei-Ersatz als gute Ergänzung des Produktportfolios. Daran arbeitet bei Biovegan ein fünfköpfiges Entwicklungsteam. Außerdem ist ein Trend-Scout aus Berlin für die Firma unterwegs. 

Erste vollwertige Bio-Trinkmahlzeit entwickelt

Im Jahr 2021 hat Biovegan die Marke Purya übernommen und zur Linie für Proteinriegeln und -shakes sowie für eine neue, vollwertige Trinkmahlzeit ausgebaut. Dabei handelt es sich nach eigenen Angaben um die erste auf dem Markt. Zwei Jahre habe man daran getüftelt. „Man braucht 28 Rohstoffe, um 24 Mineralien und Vitamine ins Produkt zu bekommen“, erklärt Lindlein. 

Was in den 60er- und 70er-Jahren für medizinische Zwecke entwickelt wurde, ist heute zum Trendprodukt geworden. Auf einfache Art satt zu werden, auch im Stress, ist dabei die Grundidee. Ob Studenten mit wenig Zeit, Sportler mit hohen Ansprüchen – Functional Food in Bio-Qualität ist weiterhin gefragt, davon ist das Team überzeugt. 

Bei den Konsumenten wachse das Bewusstsein dafür, dass Functional Food lecker und gesund sein kann. „Wir stehen für saubere, glutenfreie Ernährung ohne Allergene“, sagt Karsten Lindlein, den ein ganz eigener Weg zur bio-veganen Ernährung führte. Er bekam damit nach eigenen Angaben während seiner Studienzeit eine chronische Darmerkrankung in den Griff.

„Wir sind stolz auf unseren Namen. Er erklärt, wer wir sind.“

Karsten Lindlein, Geschäftsführung Biovegan

Während Rewe ankündigte, seine Produkte als „pflanzlich“ statt „vegan“ zu deklarieren, ist in Bonefeld niemandem bange, dass diese Abkehr vom Schlagwort „vegan“ dem Geschäft schaden könnte. Im Gegenteil: „Wir sind stolz auf unseren Namen“, sagt Karsten Lindlein. „Der Name erklärt, wer wir sind. Wir vereinen Geschmack und Gesundheit in Smart-Food. Biovegan ist das neue Normal.“ 

Das Ziel, 30 Prozent Bio bis 2030 zu erreichen, sei zwar in die Ferne gerückt, doch Lindlein hält es für alternativlos. Tierleid, Lebensmittelverschwendung im einen Teil der Welt, Hunger im anderen – all das wollen immer weniger Menschen hinnehmen, ist die Erfahrung der Geschäftsführer. 

Ko-Produktion mit Coconilla: „Wir können auch Riegel“

Ko-Produktion: Biovegan produziert Riegel des Start-ups Coconilla.

Das Biovegan-Team denkt groß. Die Geschäftsführer wollen sich als Plattform für Start-ups und deren Vernetzung etablieren. 

Ein Schritt in diese Richtung ist die Zusammenarbeit mit dem jungen Unternehmen Coconilla, das sich mit süßen Snacks auf dem Markt etablieren möchte. Edgar Kunzmann und Karsten Lindlein haben Gründerin Kathi Falk auf der Biofach kennengelernt. Sie war auf der Suche nach einem passenden Produktionspartner. Die Biovegan-Geschäftsführer beschlossen: „Wir können auch Riegel!“ und bauten in Kooperation mit Coconilla eine Produktionsanlage auf. 

Im Jahr 2028 werden, so die Prognose der Geschäftsführer, die Kapazitätsgrenzen erreicht sein. Ein Anbau ist in Planung. 

Zur Feier des 40-jährigen Bestehens kam auch der rheinland-pfälzische Ministerpräsident Gordon Schnieder (CDU) und Biovegan fühlt Rückenwind. „Alle haben Lust darauf, dass es hier weitergeht“, sagt Karsten Lindlein. Die Geschichte des Familienunternehmens ist noch nicht auserzählt.

Biovegan: Zahlen und Fakten

Standort: Bonefeld, Westerwald/Rheinland-Pfalz
Geschäftsführung:
Karsten Lindlein, Edgar Kunzmann
Gründung: 1986
Mitarbeitende:
150
Sortiment:
Backzutaten, vegane Convenient-Produkte, Proteindrinks
Umsatz:
25 Mio. EUR (2025)
Website:
biovegan.de

Biovegan wurde 1986 unter dem Namen „Vollwertkost Service Käthe Henneke“ gegründet. Im Foyer der Biovegan-Niederlassung steht der Thermomix, mit dem Gründerin Käthe Henneke 1986 experimentierte. Die gelernte Köchin und Ernährungsberaterin war auf der Suche nach pflanzlichen Lebensmittelalternativen. Die ersten Produkte waren Backpulver, Trockenhefe und Sauerteig-Extrakt. Damals hatte die Firma sechs Mitarbeitende.

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