Die großen Bio-Anbauverbände Bioland, Biokreis und Demeter haben im Jahr 2025 unter dem Strich weitere Mitgliedsbetriebe verloren. Bei Bioland sank die Zahl der Mitglieder im Vergleich zum Ende des Jahres 2024 um 195 auf 7.648, was einem Rückgang von 2 Prozent entspricht.
Einen vergleichsweise größeren Schwund verzeichnete Biokreis. Dort ging die Anzahl der Mitglieder laut BÖLW-Branchenmonitor um 8 Prozent von 1.158 auf 1.063 zurück. Biokreis-Geschäftsführer Simon Krischer begründet den Rückgang insbesondere mit der Weidehaltungspflicht, die vor allem kleinere Betriebe nicht gewährleisten können. Krischer zufolge habe sein Verband in diesem Jahr bereits einige neue Betriebe gewinnen können. Für Ende 2026 rechnet er mit mehr Mitgliedern als zu Beginn des Vorjahres.
Demeter verlor im vergangenen Jahr 37 Landwirtschaftsbetriebe. Ende 2025 betrug deren Zahl 1.599, ein Rückgang um 2 Prozent. Einzig Naturland konnte weiter zulegen. 2025 kamen Angaben des Verbands zufolge 105 neue Betriebe hinzu, die Gesamtzahl der Naturland-zertifizierten Höfe legte damit um rund 2 Prozent auf 4.913 zu.
Schwund bei den Verbandsbetrieben hält an
Damit setzt sich ein Trend fort. Bereits von 2023 auf 2024 gingen die Mitgliedszahlen bei den Anbauverbänden mit Ausnahme von Naturland zurück. Gleichwohl konnten alle vier Verbände ihre Anbauflächen im vergangenen Jahr ausbauen. Die gesamte Öko-Fläche in Deutschland vergrößerte sich 2025 um 1,1 Prozent, während der Umsatz mit Bio-Produkten laut Daten der Agrarmarkt Informations-Gesellschaft (AMI) wie bereits 2024 deutlich stärker anzog: um 6,7 Prozent auf 18,23 Milliarden Euro.
Unsicherheit bremst Bereitschaft zur Umstellung
Auch Naturland-Präsident Eberhard Räder sieht einen wesentlichen Grund für die mangelnde Umstellungsbereitschaft in der Unsicherheit durch sich verändernde politische Rahmenbedingungen: „Die neue Vorgabe einer vollumfänglichen Weidepflicht hat viele Betriebe zum Ausstieg gezwungen, ohne dass dadurch für Tierwohl oder Nachhaltigkeit viel gewonnen wäre“, sagte er. Naturland kämpfe deshalb weiter dafür, den Betrieben so viel Flexibilität zu verschaffen, wie möglich, so Räder.
Ein weiteres Hindernis für die Umstellung sei die Unsicherheit, wie es nach 2027 mit der europäischen Agrarförderung (GAP) weitergeht. „Die Umstellung auf Bio ist eine große Investition für die Betriebe. Dafür brauchen sie von der Politik die Sicherheit einer langfristigen Perspektive“, erklärt Räder. Die Politik müsse klar signalisieren, dass Bio auch weiterhin der Weg für die notwendige Transformation der Landwirtschaft ist. An diesen Signalen fehle es aber im Moment.
Massiver Einbruch in Afrika
Positiver als in Deutschland sei die Entwicklung in Österreich ausgefallen. Hier kamen mit 151 Betrieben 6,7 Prozent mehr zu Naturland, die Fläche stieg um 12,3 Prozent. Dabei handele es sich vor allem um größere Ackerbaubetriebe zum Ausbau der regionalen Futterversorgung.
Weltweit hat Naturland aktuell Mitgliedsbetriebe in 68 Ländern. Dabei hatte Europa das stärkste Wachstum zu verzeichnen. Dort legte die Naturland-zertifizierte Fläche um fast 12.000 Hektar zu, ein Plus von 25,5 Prozent (ohne Deutschland und Österreich).
Afrika verzeichnete dagegen einen massiven Einbruch. Hier ging die Zahl der Naturland-zertifizierten Kleinbauern um fast ein Drittel zurück, die Fläche um 37 Prozent. Ein wesentlicher Grund dafür sind laut Verband die neuen Regeln der EU für die Gruppenzertifizierung von Kleinbauern. Darüber hinaus wirke sich auch die Einschränkung des sogenannten Äquivalenzgrundsatzes für Bio-Importe aus Drittstaaten negativ aus.
„Überall ist vom Bürokratieabbau die Rede, ausgerechnet Bio-Kooperativen im globalen Süden werden von der EU dagegen mit mehr Bürokratie belastet“, kritisiert Marco Schlüter, Geschäftsleiter International bei Naturland. Den Schaden trage Europa selbst, denn in Zeiten zunehmender Rohstoffknappheit seien die Kooperativen immer weniger auf die EU als Absatzmarkt angewiesen und würden sich stattdessen auch Richtung USA oder China wenden.
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