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Aus Tegut wird Tante Enso: So läuft die Umstellung ab

Standortübernahme

Das Bremer Unternehmen Enso E-Commerce übernimmt 36 Tegut-Filialen und macht aus ihnen hybride Tante-Enso-Läden. Wie die Umstellung abläuft, zeigt der Fahrplan für den Standort Poppenhausen in der hessischen Rhön.

Auf die Ankündigung von Enso E-Commerce, 36 Filialen des Fuldaer Lebensmittelhändlers Tegut zu übernehmen, folgt deren schrittweise Verwandlung der Märkte in Tante-Enso-Märkte. 

Tante Enso betreibt deutschlandweit 91 Mini-Supermärkte, vor allem im ländlichen Raum. Das Konzept ist meist genossenschaftlich angelegt. Die Märkte der Smart-Store-Kette funktionieren hybrid, sind rund um die Uhr geöffnet und nur zu bestimmten Zeiten mit Personal besetzt.

Nachdem der Schweizer Mutterkonzern Migros im März dieses Jahres angekündigt hatte, große Teile des Unternehmens zu verkaufen, gehörten neben Enso auch Edeka und Rewe zu den Bewerbern für eine Übernahme der insgesamt 300 Filialen. Während die Verfahren beim Bundeskartellamt bezüglich der beiden großen Händler noch liefen, gab es für die hybriden Tante-Enso-Läden schnell grünes Licht. 

Von Tegut zu Tante Enso in vier Schritten

Wie es jetzt weitergeht, fassen wir hier zusammen:

Schritt 1: Im Frühsommer wurde in Poppenhausen in der hessischen Rhön um Anteilseigner für den Tante-Enso-Markt geworben – im örtlichen Tegut-Markt an der Kasse, bei Festen und Info-Veranstaltungen. 600 Teilhaber nannte Geschäftsführer Thomas Gutberlet gegenüber dem BioHandel als Mindestzahl, damit der Markt im Ort entsteht. Ende September hieß es in einer Pressemitteilung des Smartstore-Betreibers: „Poppenhausen hat das Kampagnenziel mit genügend Teilhabern erreicht. Der Tegut wird nun zum Tante Enso.“

Auf Anfrage des BioHandels teilt Enso mit, dass in Poppenhausen die Zahl von 757 Teilhaberinnen und Teilhabern erreicht wurde. „Das bringt der Gemeinde 500 Euro für ein gemeinnütziges Wunschprojekt im Ort, von uns gefördert“, sagt die Pressesprecherin Jessica Renziehausen. 

Schritt 2: Als offiziellen Tag des „Betriebsübergangs von Tegut an Enso“ nennt die Pressesprecherin den 1. Oktober 2026. „Das bedeutet, alle Verträge (Mitarbeiter, Miet- und Untermietverträge) werden übernommen und der Betreiber des Ladens ist ab diesem Tag Enso.“

Tante Enso hat Rewe- und Alnatura im Bio-Sortiment

Schritt 3: Für den Umbau und die technische Umstellung der ehemaligen Tegut-Kassensysteme (Hardware, Software, W-Lan) wird es laut Enso einen Schließtag am 15. Oktober geben. Ab 16. Oktober soll an den Kassen das Cashback für Teilhaberinnen und Teilhaber eingerichtet sein und neue Preisschilder angebracht werden, inklusive Dauertiefpreisen. 

„Nicht mehr gültig sind dann die Tegut-Bonuskarte sowie gewohnte Angebote“, heißt es in einer Pressemeldung. Enso appelliert an die Kundschaft, das Enso-Team über regionale Wünsche im Sortiment zu informieren: „Tegut-Eigenmarken können wir nicht liefern, regionale Lieferanten hingegen schon. Wir suchen im Rewe-Sortiment nach Alternativen und bringen viele Alnatura-Produkte in die Regale.“ 

Dass die Schritte 2 und 3 an vielen der 36 Standorte gleichzeitig vonstatten gehen müssen, fürchtet das Enso-Team nicht. Jessica Renziehausen antwortet auf Nachfrage: „Wir stellen im selben Zeitraum nach und nach alle Filialen um. Das ist logistisch sportlich, ja, aber wir hatten auch früher bereits Zeiten mit zwei Eröffnungen pro Woche und sind zuversichtlich, das im genannten Zeitraum hinzukriegen.“

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Einwöchige Schließzeit für den Umbau des Mobiliars

Für den Umbau des Mobiliars und der Kältetechnik plant Enso mit einer Schließzeit von rund einer Woche. In der Filiale und auf der Website des Ortes Poppenhausen werde rechtzeitig über den Zeitpunkt informiert.

Schritt 4: Der Tag der Einweihungsfeier wird noch bekanntgegeben. „Danach sieht die komplette Filiale wie ein Tante Enso aus“, kündigt das Team an. Die SB-Kasse wird dann in Betrieb genommen und das „24/7-Einkaufen“ soll funktionieren. „Die Mitarbeitenden tragen dann auch Tante Enso- Arbeitskleidung und sind laut dem Unternehmen noch zu den gewohnten personalbesetzten Öffnungszeiten vor Ort.“ Diese Schritte werden voraussichtlich von November 2026 bis April 2027 dauern. 

„Orte, die nicht an Edeka oder Rewe gehen, können sich natürlich bei uns um einen Tante Enso bewerben.“

Jessica Renziehausen, Pressesprecherin bei Enso E-Commerce

Inzwischen hat das Bundeskartellamt bekanntgegeben: Edeka darf 178 Tegut-Standorte „unter weitreichenden Nebenbestimmungen übernehmen“. Zunächst hatte die Wettbewerbsbehörde wegen „erheblicher wettbewerblicher Bedenken“ nicht zugestimmt. Edeka wiederum verzichtet laut Informationen des Bundeskartellamts auf 24 Standorte. 

Die Rewe Group hatte ebenfalls angekündigt, rund 40 Märkte ins Rewe-Vertriebsnetz zu integrieren. Einige der Märkte sollen von der Rewe-Tochter Penny betrieben werden. Die Genehmigung durch das Bundeskartellamt steht noch aus. Sollte die Behörde Rewe die Zustimmung zu Übernahmen verweigern, ist das Enso-Team gesprächsbereit: „Orte, die nicht an Edeka oder Rewe gehen, können sich natürlich bei uns um einen Tante Enso bewerben. Wir prüfen dann den Standort gemäß unserer Kriterien und nehmen diese in die Kampagnenplanung auf, wenn alles passt“, sagt Sprecherin Renziehausen.

Tante-Enso-Management mit Tegut-Wurzeln

Enso-Geschäftsführer Thomas Gutberlet hat selbst Tegut-Wurzeln: Er ist ehemaliger Geschäftsführer des Lebensmittelhändlers Tegut und Enkel des Tegut-Gründers. Seit Dezember 2025 hat er die Position des Geschäftsführers (COO) bei Tante Enso inne. 

Seit September arbeitet nun auch der ehemalige Tegut-Vertriebsleiter Thomas Stäb bei Tante Enso. 

Die Tegut-Zentrale in Fulda soll im März 2027 geschlossen werden. 

Lesen Sie mehr über Tante Enso:

„Wir übernehmen Kunden, die eigene Anforderungen ans Bio-Sortiment haben“

Thomas Gutberlet im Interview

Das Bremer Unternehmen Enso E-Commerce übernimmt 36 Tegut-Filialen und macht sie zu hybriden Tante-Enso-Läden. Geschäftsführer Thomas Gutberlet sagt im Interview, wann die Umstellung beginnt und welche Rolle Bio spielt.

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