Diskussion

Wie unverpackt geht unverpackt?

Auf der BioNord sprachen Vertreter aus Handel, Herstellung und Großhandel über Möglichkeiten und Grenzen, Plastik entlang der Lieferkette zu vermeiden. Schwerpunkte: alternative Packmittel, Pfandsysteme und Herausforderungen bei loser Ware.

04.02.2020 vonFrauke Werner

Auf der BioNord sprachen Vertreter aus Handel, Herstellung und Großhandel über Möglichkeiten und Grenzen, Plastik entlang der Lieferkette zu vermeiden. Schwerpunkte: alternative Packmittel, Pfandsysteme und Herausforderungen bei loser Ware.

Zum Auftakt der Diskussion auf der BioMesse in Hannover machten zwei Hersteller deutlich, wie viel Engagement und Ausdauer es kosten kann, herkömmliches Plastik zu ersetzen. „Wir sind schon seit über drei Jahren daran, unsere Verpackungen umzustellen“, berichtete Charlotte Ruck, Marketingleiterin der Spielberger Mühle. „Im ersten Schritt ging es nur um ein Sichtfenster in den Tüten, zum Beispiel um die Flocken unterscheiden zu können. Schon dieses Projekt hatte einen Vorlauf mit verschiedenen Test-Abpackungen gebraucht. Dabei entdeckten wir das Pergamin-Papier für uns. Daraus sind inzwischen auch die Innenbeutel der Papiertüten für unsere glutenfreien Produkte und fetthaltigen Saaten.“

Ein weiteres Jahr habe Spielberger daran gearbeitet, auch die Teigwaren in 100 Prozent Papier zu verpacken, da das Unternehmen dabei mit einer anderen Abpacktechnik konfrontiert war. „Um den Papierverbrauch zu kompensieren, unterstützen wir übrigens ein Aufforstungsprojekt“, ergänzte Ruck. „Wir pflanzen in dem Umfang neue Bäume, in dem wir sie für unsere Verpackungen verbrauchen.“

Und Nicol Gärtner, Geschäftsführerin von Biovegan, erzählte: „Wir haben uns bis 2020 das Ziel gesetzt, das gesamte Unternehmen auf plastikfrei umzustellen. Alle Verbrauchs- und Gebrauchsgüter werden bis Ende nächsten Jahres plastikfrei sein. Auch alle Produktverpackungen werden auf plastikfrei und kompostierbar umgestellt. Seit einem Jahr arbeiten wir daran“, sagte sie, „das ist ein echtes Monsterprojekt!“

Kompostierbare Stretchfolie

Wir haben zum Beispiel lange nach einem Hersteller gesucht, der kompostierbare Stretchfolie produziert. Schließlich haben wir jemanden gefunden, doch der konnte nur kleine Mengen herstellen. „Jetzt unterstützen wir ihn dabei, eine größere Produktion aufzubauen“, so Nicol Gärtner.

Zuvor habe Biovegan die Folie intensiv getestet, denn es sei keine Seltenheit, dass Hersteller alternativer Packmittel mehr versprechen, als ihre Produkte halten können. Eine Erfahrung, die auch Michael Albert von Unverpackt e.V. gemacht hat. „Auch wir analysieren alternative Folien deshalb selber“, sagt er. Insgesamt beurteilt Albert die Bemühungen der Bio-Branche in Sachen Verpackung recht positiv: „Seit vier Jahren passiert da viel, auf Seiten der Zulieferer und auf Seiten der Hersteller“.

Sicherungsschnüre statt Folie

Für den Großhandel saß Nina Schritt aus der Geschäftsführung der Kornkraft Naturkost GmbH auf dem Podium. Auch Kornkraft setzt sich seit einiger Zeit intensiv mit dem Thema Verpackung entlang der gesamten Lieferkette auseinander. „Unsere Eigenprodukte werden in Mehrwegkisten (NAPF-Kisten) an die Kunden geliefert“, sagte Nina Schritt.

„Die Ware an unsere Kunden liefern wir schon immer auf dreiseitigen Rollwagen gesichert mit Spanngummis aus, so sparen wir 1.000 km Folie im Jahr. Neu haben wir jetzt ein System entwickelt, wie auch beim Transport auf Paletten Folie eingespart werden kann, indem Sicherungsschnüre verwendet werden. Ein eigens gedrehter Anwendungsfilm zeige, wie's geht.

Ein zweiter Film mit dem Titel „Wie kann ich im Bio-Laden möglichst verpackungssparend einkaufen?“ richte sich an Ladner ebenso wie an Kunden. Und die Broschüre des norddeutschen Großhändlers „Schritt für Schritt plastikfrei in die Zukunft“ unterstützt Ladner ebenfalls mit Informationen, Tipps und Anregungen dabei.

Nachhaltige Gebinde

Auch auf das Thema unverpackte Ware brachte Moderator Detlef Harting von der Marketingagentur Harting [&] Tovar die Diskussion. „Die Nachfrage von Kunden nach Nachfüllsystemen ist überall ein großes Thema“, sagte Nina Schritt dazu. Passende Produkte dafür anzubieten, sei allerdings nicht immer leicht, so Charlotte Ruck von der Spielberger Mühle. „Wir arbeiten noch an einem Sortiment mit sinnvollen Gebindeeinheiten in einer Verpackung, die auch tatsächlich einen Vorteil in puncto Nachhaltigkeit bringt.“

Haftungsschutz durch Gefahrstoff-Piktogramme

Auf einen wichtigen Aspekt beim „lose Anbieten“ wies Michael Albert von Unverpackt e.V. hin: Die Produkthaftpflicht. „In dem Moment, wo ein Produkt abgefüllt ist, ist der Ladner in der Pflicht gegenüber dem Kunden.“Wenn beispielsweise ein Kind ein gelbes Spülmittel im Glas ohne besondere Kennzeichnung mit Honig verwechsle, hafte der Ladner für mögliche Folgen. „Das ist ein Riesenthema, da sind wir dran. Denn auch die Kontrolleure wissen nicht immer genau, wie es richtig geht. Hier holen wir Expertise ein von Behörden und Herstellern.“ Albert empfahl: „Schützen Sie sich mit einer ausreichenden Kennzeichnung und Gefahrstoff-Piktogrammen auf dem Etikett.“

Stützen des Pfandsystems

Abschließend diskutierte die Runde noch über Pfandsysteme. „Damit sie ökologisch sinnvoll funktionieren, ist Regionalisierung notwendig, um die Transportwege zu verkürzen, sowie eine Standardisierung der Gefäße“, ist Michael Albert überzeugt. Bereits Anfang der neunziger Jahre hätte es die Initiative „Acht für alle“ gegeben[nbsp]– ein Bioladen-eigenes-Pfandsystem mit acht Glasgrößen, die alle Hersteller verwenden. Jedoch hätten die Hersteller ihre Gefäße immer weiter individualisiert.

Aber es gebe neue Ansätze, berichtet Albert, wie den eines engagierten Großhändlers, der ein existierendes Pfandsystem nutzen wolle: Das 500ml-Joghurtglas. „Wäre das nicht eine gute Aufgabe für den BNN, so etwas voranzubringen?“ kam die Frage aus dem Publikum. Mit einem weiteren Appell aus der Zuhörerschaft endete das Podiumsgespräch: „Lasst uns die NAPF-Kisten wieder stärker nutzen! Je mehr mitmachen, desto besser funktioniert dieses Pfandsystem.“

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