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Trotz Kritik: Frühkartoffeln bei Denn’s jetzt noch billiger

Demeter-Kartoffeln aus Ägypten waren bei Denn’s in der vergangenen Woche bereits deutlich günstiger als vergleichbare Ware aus Deutschland. Jetzt ist der Preis noch weiter gefallen.
17.04.2019
Demeter-Kartoffeln aus Ägypten waren bei Denn’s in der vergangenen Woche bereits deutlich günstiger als vergleichbare Ware aus Deutschland. Jetzt ist der Preis noch weiter gefallen.

Demeter-Kartoffeln aus Ägypten waren bei Denn’s in der vergangenen Woche bereits deutlich günstiger als solche aus Deutschland. Jetzt ist der Preis noch weiter gefallen.

1,79 Euro pro Kilogramm kosteten Demeter-Kartoffel aus Ägypten vergangene Woche in Berliner Denn’s Märkten. Jetzt ist der Preis um weitere 13 Cent je Kilo gesenkt worden. Damit hat sich der Preisabstand zu heimischer Ware auf 28 Prozent vergrößert. Die regional erzeugten Demeter-Kartoffeln der letztjährigen Ernte wurden vergangene Woche für 2,29 €/kg angeboten.

Scharfe Kritik von der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft

Die Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft (ABL) äußerte sich bereits vergangene Woche auf die ihrer Ansicht nach zu niedrigen Preise für die Importware. Dass Dennree trotzdem die Preise für Frühkartoffeln aus Ägypten erneut reduziert und nun sogar als Angebotsware verkauft, kritisiert die AbL scharf: „Das ist Preispolitik auf Kosten der heimischen Bio-Kartoffelbauern und auch der ägyptischen Kollegen. Offensichtlich will der Marktführer Dennree seiner Verantwortung für faire Einkommen auch der Bauern nicht nachkommen“, kommentiert Phillip Brändle aus dem AbL-Vorstand. Weiter erklärt er: „Wie solche Preise für alle in der Wertschöpfungskette gut funktionieren sollen hat Dennree in seinen bisherigen Stellungnahmen nicht erläutert. Mein Anspruch als Biobauer, den ich an die gesamte Biobewegung stelle, ist eindeutig ein anderer.“

Bereits in der vergangenen Woche[nbsp] sagte Phillip Brändle, Mitglied im Bundesvorstand der AbL: „Zwar neigen sich die Lager mit regionalen Biokartoffeln langsam dem Ende entgegen, aber Kolleginnen und Kollegen sowie Erzeugerzusammenschlüsse haben durchaus noch Kapazitäten, um noch bis Ende April regionale Biokartoffeln nach Berlin zu liefern.“

Für Brändle besteht deshalb noch keine Notwendigkeit, Importware anzubieten. Doch selbst wenn ein Händler das anders sehe, gebe die Preisgestaltung auf jeden Fall Anlass zu Kritik: „Wie kann es sein, dass Biokartoffeln aus einem Land, das zu 96 Prozent aus Wüste besteht und von wo aus die Kartoffeln rund 2900 km nach Berlin transportiert werden müssen, 50 Cent je Kilo günstiger sind als die Ware der Bauern aus dem Umland von Berlin?“ Brändle spricht von einem „fatalen Signal“ an die regionalen Bauern, die derzeit die Kartoffeln für die kommende Ernte in den Boden legten.

Höhere Priese bei Naturgut

Als Beispiel, dass es auch anders geht, nennt die AbL den Biomarkt-Verbundpartner Naturgut[nbsp]in Stuttgart. Dort würden die ägyptischen Knollen 20 Cent teurer angeboten als die deutschen. Die Agrarmarkt Informations-Gesellschaft AMI nannte als Kilopreise für die Lieferung an den Großhandel 85 Cent für ägyptische Ware und 56 Cent für deutsche Lagerkartoffel.

Was Dennree zu den Preisen sagt

Zur Preisgestaltung in der vergangenen Woche teilt Dennree auf Anfrage mit, es sei „unser Ziel, für unsere Kundinnen und Kunden vergleichbare Ware zu gleichen Preisen anzubieten.“ Die Preisberechnung sei komplex, basiere jedoch im Wesentlichen auf den Einkaufskonditionen Bei dem Beispiel aus Berlin handele es sich um regionale Kartoffeln, deren Preis auch in der Region vereinbart werde. Des Weiteren teilte der Großhändler mit, die ägyptischen Kartoffeln „dienen lediglich der Ergänzung unseres deutschen Kartoffelangebots, das für uns oberste Priorität besitzt und in unseren Märkten über alle 12 Monate im Jahr angeboten werden. Dadurch können unsere Kundinnen und Kunden stets zwischen heimischen und auswärtigen Sorten wählen.“ Die ägyptischen Knollen würden[nbsp]mit Nilwasser bewässert, „sodass das dortige Ökosystem mitsamt dem Grundwasserspiegel nicht belastet wird.“

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