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Top25

Treue wird belohnt

Marken, die auch im LEH stehen, werden im Naturkosteinzelhandel ausgelistet. Dieser Trend hielt auch im vergangenen Jahr an. Welche Firmen auf- und abstiegen oder ganz aus den Top 25 heraus fielen.

05.02.2020 vonSusanne Gschwind

Marken, die auch im LEH stehen, werden im Naturkosteinzelhandel ausgelistet. Dieser Trend hielt auch im vergangenen Jahr an. Welche Firmen auf- und abstiegen oder ganz aus den Top 25 heraus fielen.

Was sich bereits in den beiden letzten Jahren angedeutet hat, setzt sich fort: Der Naturkosteinzelhandel straft Hersteller ab, die ihre Marken auch im LEH anbieten: Hatte es im vergangenen Jahr Provamel und Lavera „erwischt“, schaffte es dieses Mal auch Davert nicht mehr unter die von bioVista ermittelten TOP 25. „Händler haben die Produkte der Marke[nbsp]bewusst ausgelistet und ersetzt – zum Beispiel durch die der Spielberger Mühle“, so[nbsp]bioVista-Vertriebsleiter Fabian Ganz. Dadurch konnte sich das Traditionsunternehmen aus dem Baden-Württembergischen Brackenheim um drei Ränge verbessern. Zugute kam der Spielberger Mühle[nbsp]sicherlich auch, dass sie durch diverse Aktionen im Fachhandel ihre Markenbekanntheit erhöht hat – und, so Fabian Ganz, damit für viele Händler als Gegenbeispiel steht zu Unternehmen, die ihre Werte an den LEH verkaufen. Diese Treue und das aktive Engagement für den Fachhandel wird belohnt.

Nicht „nur“ die Werte, sondern das komplette Unternehmen wurde im Fall von Logocos im vergangenen Jahr verkauft. Obwohl nach der Übernahme durch L’Oreal nur vier Monate in den Zeitraum fielen, die bioVista für die Top 25 aus dem Jahr 2018 auswertete, schlug sich der Verkauf mit einem Verlust von drei Rängen für Logocos massiv nieder.[nbsp]

Keine großen Veränderungen gegenüber dem Vorjahr gab es dagegen bei den Top-Platzierten. Rang eins belegt wieder Rapunzel. Allerdings ging der Marktanteil der Legauer im Naturkostfacheinzelhandel wie bereits im vergangenen Jahr leicht zurück. Ein Grund: Dass Rapunzel ein riesiges Sortiment bietet, ist zwar eine der Stärke des Unternehmens – es wird aber dadurch auch überall von „Spezialisten“ attackiert. So zum Beispiel bei den Frühstückscerealien, laut Fabian Ganz einem hochdynamischen Markt, bei dem die Kunden öfter Neues suchen. Zudem hat Rapunzel bei Kokosöl, das nicht mehr so im Trend liegt, etwas gelitten. Und auch für Schokolade und Pralinen war es wegen des heißen Sommers ein schwieriges Jahr.[nbsp]

Es gibt aber auch Unternehmen, die gerade von dem lang anhaltenden hochsommerlichen Klima profitiert haben. So zum Beispiel die Schrozberger Milchbauern, die im vergangenen Jahr zwei Ränge gutmachten. Ein Effekt, den Fabian Ganz auf die Tiefkühl-Eiscreme zurückführt. Gut gelaufen seien auch Milch- und Milchmix-Getränke, allen voran ein gekühlter Drink mit Espresso von Mount Hagen.

Heißer Sommer, viel Durst

Zugute kam der lange, heiße Sommer auch Getränke-Spezialist Völkel, bei dem alle Bereiche gut liefen, allen voran Gemüse- und Obst- und Gemüse-Mischgetränke. Erstaunlich, dass auch Tee-Experten trotz des heißen Sommers zulegen konnten.

So waren etwa bei Lebensbaum einerseits Klassiker wie Basis-Kräuter-, Kamille und Pfefferminztee Treiber. Gut angenommen wurden aber auch themenorientierte Sorten wie „Fastenkräuter“ oder „Detox Light“.[nbsp]

Sonnentor kletterte im vergangenen Jahr von Rang 19 auf 18 – nicht zuletzt wegen seines Tee-Adventskalenders, eines der stärksten Produkte des Unternehmens. Generell sind die Österreicher enorm innovativ und immer auf der Suche nach neuen Trends. So zum Beispiel im vergangenen Jahr mit dem Einhorntee, an dessen Erfolg der Flamingotee allerdings nicht ganz anknüpfen konnte.[nbsp]

Immer für eine Innovation gut ist auch Allos. Stark gewachsen ist das Unternehmen im vergangenen Jahr vor allem mit seinen Milchalternativen, mit denen das Unternehmen als einzige große Marke hierzulande nicht im LEH steht und so vielerorts Provamel ersetzt haben dürfte. Ebenfalls gut entwickelt haben sich bioVista zufolge die Aufstriche – auch wenn die Umsätze die Verluste von Tartex, das im Naturkostfachhandel immer weniger Bedeutung hat, nicht ganz kompensieren können.

Erfolgreiche Convenience

Aufstriche sind nach wie vor das Kernsortiment von Zwergenwiese. Zwar waren die fruchtigen im vergangenen Jahr nicht ganz so erfolgreich, laut bioVista konnte das aber durch die Fertiggerichte aufgefangen werden: Die „Soul-Kitchen“-Produkte kommen bei Händlern wie Kunden sehr gut an.

Ein weiteres sehr erfolgreiches Convenience-Produkt ist die Wunderbrot-Backmischung von Bauckhof. Sie ist laut bioVista die umsatzstärkste Backmischung im Bio-Fachhandel. Eine Innovation, die der Markt offensichtlich nicht angenommen hat, sind die Spezialmehle von Bio Planète, die bei der Ölproduktion aus dem proteinhaltigen Presskuchen gewonnen werden. Die Idee, alles zu verwerten, was im Produktionsprozess anfällt, ist nachhaltig und gut, am POS aber vermutlich zu erklärungsbedürftig. Bekannt ist die Marke für ihre Speiseöle. Und auch wenn sie wie andere Anbieter bei Kokosöl ebenfalls Federn gelassen hat, weil der Trend verpufft ist, konnte Bio Planète den Marktanteil im Facheinzelhandel halten. Das gilt auch für Ökoland. Zwar bietet das Unternehmen keinen TK-Fisch mehr an, das wird aber bioVista zufolge überkompensiert durch das Angebot an zum Teil neuen Wurstprodukten.

Die Lücke, die Ökoland bei Fisch hinterlässt, wurde zum Teil durch Demeter Felderzeugnisse (Wild Ocean) geschlossen. Auch mit der Eis-Marke Rachelli legte das Unternehmen im vergangenen Jahr zu.

Trotz Ausbau des Umsatzes ging es für Tofu-Marktführer Life Food (Taifun) um zwei Ränge nach unten – sicherlich ein Effekt des weiter nachlassenden Vegan-Booms. Leicht Umsatzanteile eingebüßt hat Feinkostanbieter Isana (Bioverde). Der verstärkte Wettbewerb durch Mitbewerber sowie Handelsmarken dürfte dafür der Hauptgrund sein.

Verstärkte Konkurrenz

Verstärkte Konkurrenz macht sich auch bei den Molkereien bemerkbar, wo die Schrozberger Milchbauern nur noch drei Ränge von Söbbeke entfernt sind: Während erstere sich um zwei Plätze verbesserten (siehe auch S. 9), kann Söbbeke zwar seinen Umsatzanteil halten. Das Unternehmen hatte im Vorjahr aber laut Fabian Ganz besser performt und steigt dieses Mal von Rang 11 auf 13 ab. Andechser und die Milchwerke Berchtesgadener Land konnten ihre Positionen halten, bzw sogar leicht verbessern.

Großhändler vorne

Traditionell vordere Plätze belegen die Großhändler Dennree und Weiling. Mit ihren Handelsmarken können sie flexibel auf Trends reagieren. Im vergangenen Jahr kam ihnen zudem der gestiegene Butterpreis entgegen. „Allein bei Dennree machte das sicherlich eine halbe Million Umsatz mehr aus“, so Fabian Ganz. Bei Weiling liegt der Zuwachs in ähnlicher Dimension.

Erneut geschätzt werden mussten die Umsätze, die Alnatura im Naturkostfachhandel erzielt. Basis dafür ist die Hälfte des Gesamtumsatzes der Darmstädter und die überschlägige Erschließung des Anteils der Handelsmarken im Sortiment. Mit in Betracht gezogen wurden zudem der im Verhältnis zu Markenartikeln höhere Umschlag und der niedrigere Preis der Handelsmarke. Nach dieser Schätzung erzielt Alnatura einen Umsatz von rund 28.000 Euro pro Laden und Jahr und belegt damit wieder Rang vier.

Seine Position am Markt[nbsp]behaupten konnte auch Wala. Mit einem Anteil von 1,3 Prozent am durchschnittlichen Umsatz eines Ladens ist es das mit Abstand bedeutendste Kosmetik-Unternehmen im Naturkosteinzelhandel. Danach folgt Weleda mit einem Marktanteil von 0,7 Prozent auf Rang 16.

Ein „herzlicher Glückwunsch“ geht dieses Jahr an Weinimporteur Riegel, der es zum ersten Mal unter die TOP 25 geschafft hat und einen Platz hinter Byodo liegt, das seinen Marktanteil gehalten hat.

Verkauf der TOP 25-Hersteller

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