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Bio im Test

Pesto mit Erdöl

20 grüne Pestos hat Ökotest ins Labor geschickt. Das fand in allen Mineralölrückstände, auch in den Bio-Pestos. Und das reichlich.

29.05.2020 vonLeo Frühschütz

20 grüne Pestos hat Ökotest ins Labor geschickt. Das fand in allen Mineralölrückstände, auch in den Bio-Pestos. Und das reichlich.

Im Ppura Pesto Genovese war der Gehalt an gesättigten Mineralölkohlenwasserstoffen (MOSH) „stark erhöht“, Note „befriedigend“. Im La Selva Pesto al Basilico con Pecorino und im Rapunzel Pesto Ligure fand das Labor „sehr stark erhöhte” MOSH-Gehalte und dazu noch die unter Krebsverdacht stehenden cyclischen Kohlenwasserstoffe (MOAH). Das ergab die Note „mangelhaft“. MOSH und MOAH enthielt auch das Alnatura Pesto verde, dazu noch eine „erhöhte“ Menge des als fortpflanzungsgefährdend eingestuften Weichmachers DEHP. Das gab eine glatte „ungenügend“.

Die konventionellen Pestos schnitten im Vergleich noch schlechter ab, denn in den meisten fand das Labor einen Cocktail an Pestizidrückständen, die mit dem Basilikum eingebracht worden waren.

Ökotest bewertet MOSH so: Als „stark erhöht“ bezeichnet das Magazin einen Gehalt von 2 bis 4 Milligramm je Kilogramm (mg/kg). Jeder Wert über 4 mg/kg gilt als „sehr stark erhöht“. Genauere Angaben über die gemessenen Werte macht das Magazin nicht. Bei MOAH reichte der Nachweis für eine Abwertung aus, wobei Ökotest keine Angaben zur Nachweisgrenze machte.

Rapunzel schreibt auf seiner Webseite: „Wir haben unsere Rückstellmuster mit gleichem Mindesthaltbarkeitsdatum zur Analyse gegeben. Für MOSH und MOSH-Analoge wurden durch das Labor etwas niedrigere Werte ermittelt als im Test, insgesamt 7 mg/kg (statt 7,8 mg/kg bei Öko-Test). MOAH sind nicht nachweisbar.“ Der Hersteller weist darauf hin, dass in Basilikum von Natur sogenannte MOSH-Analoge vorhanden seien, die das Messergebnis erhöhen könnten.

Alnatura teilte in seiner Stellungnahme mit, dass Basilikum und Olivenöl als Eintragspfad für die Mineralöle ausgeschlossen werden konnten. Als mögliche Quelle stünden Walnüsse im Fokus. Diese würden nach der Ernte in Jutesäcke verpackt, deren Nähte zum Teil gefettet seien. Den Weichmacherfund kann sich Alnatura nicht erklären, da die Deckeldichtung den Weichmacher nicht enthalte und er auch im verwendeten Olivenöl nicht nachgewiesen wurde.

La Selva betont in seiner Stellungnahme, dass Mineralölrückstände bereits in der ganze Umwelt verbreitet und deshalb nicht völlig vemeidbar seien. Der Hersteller verweist zur Bewertung auf die Orientierungswerte, die seit April 2019 von BLL (Bund für Lebensmittelrecht und Lebensmittelkunde e.V.) und LAV (Länderarbeitsgemeinschaft Verbraucherschutz) empfohlen werden. Danach richte sich La Selva.

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