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Österreich beendet Bio-Küken-Tod

Männliche Küken von Bio-Legehennen werden in Österreich ab 2016 nicht mehr direkt nach dem Schlüpfen getötet. „Die zwei großen Brütereien, der Biodachverband und der Lebensmitteleinzelhandel haben sich darauf geeinigt, die männlichen Küken der Bioeier-Produktion aufzuziehen.“
26.05.2015
Männliche Küken von Bio-Legehennen werden in Österreich ab 2016 nicht mehr direkt nach dem Schlüpfen getötet. „Die zwei großen Brütereien, der Biodachverband und der Lebensmitteleinzelhandel haben sich darauf geeinigt, die männlichen Küken der Bioeier-Produktion aufzuziehen.“

Männliche Küken von Bio-Legehennen werden in Österreich ab 2016 nicht mehr direkt nach dem Schlüpfen getötet. „Die zwei großen Brütereien, der Biodachverband und der Lebensmitteleinzelhandel haben sich darauf geeinigt, die männlichen Küken der Bioeier-Produktion aufzuziehen“, sagte Heli Dungler, Präsident der Tierschutzorganisation Vier Pfoten, der Zeitung Kurier. Die Tierschützer hatten bereits 2013 zusammen mit der Handelskette Billa (Rewe) das Projekt Haushuhn und Gockelhahn gestartet, bei dem die männlichen Küken mit aufgezogen wurden.

Die größte österreichische Bioeier-Erzeugergemeinschaft ist die Geflügel GmbH Schlierbach mit etwa 38 Millionen Bioeiern pro Jahr. Sie beschreibt auf ihrer Webseite den Ablauf der Umstellung. Demnach werden noch im Mai zwei Herden von jeweils 3.000 Elterntierküken eingestallt. Eine dritte Herde soll im Oktober 2015 folgen. Im Dezember 2015 würden die ersten Küken schlüpfen und dann ab April 2016 Eier legen.

Mehraufwand über Preis der Junghennen finanziert

„Der Mehraufwand für die Bio-Elterntiere und für die Unterstützung der Hähnchenmast kann im ersten Schritt nur über den Preis der Junghennen finanziert werden“, schreibt die Erzeugergemeinschaft. „Umgekehrt heißt das, dass die Bauern aus dem Eierverkauf mehr erlösen müssen, um den Kauf der teureren Junghennen abgelten zu können.“ Da der Handel in die Lösung mit eingebunden ist, dürfte das entsprechend geregelt sein.

Zwar sprechen die Schlierbacher und auch Vier Pfoten von einem Zweinutzungshuhn, doch das ist nicht korrekt. Eingestallt wird die Legehennenhybride Sandy der Lohmann Tierzucht. Deren männliche Küken sollen neun Wochen gemästet und dann mit einem Gewicht von einem Kilo geschlachtet und verarbeitet werden.

Keine echten Zweitnutzungshühner

„Diese Hähne werden nie ein Brathendl werden“, zitiert der Kurier Manfred Söllradl, den Geschäftsführer der Schlierbacher Geflügel-GmbH. Die Schlierbacher schreiben auch offen: „Wir haben in den vergangenen vier Jahren verschiedene Wege zum Zweinutzungshuhn analysiert und selbst Versuche mit unterschiedlichen Rassen unternommen. Dabei hat sich gezeigt, dass wir den Schwerpunkt auf die Legeleistung legen wollen: Wenn Rassen von manchen Zweinutzungshühnern zumindest ein Viertel weniger Eier legen, als übliche Legehybriden, dann lässt sich dieser Ausfall auch durch sehr gute Preise beim Fleischverkauf nicht mehr kompensieren.“

Gemeint sind damit echte Zweinutzungshühner wie die Hybride Lohmann Dual oder die Rasse Sulmtaler, die von den Hermannsdorfer Landwerkstätten eingesetzt wird. Ein gewisse Bekanntheit hat in Österreich das Moosdorfer Haushuhn. Dabei handelt es sich um eine Zweinutzungs-Kreuzung aus drei Hybridlinien des Züchters Ludwig Hölzl aus dem bayerischen Moosburg. Den Namen und die Rasse „hat die PR-Abteilung von Ja!Natürlich einfach erfunden“, schimpfte der Autor Clemens Arvay schon vor zwei Jahren.

Österreichische Legehennenbranche als Vorreiter

Einer, der in Österreich auf echte Zweinutzungshühner setzt, ist Toni Hubmann. Er vermarktet die Hähne nicht als Verarbeitungsfleisch, sondern mästet sie drei Monate lang und bietet sie dann als Spezialität an. Die Branchenlösung lobt er: „Ich bin sehr froh darüber, dass diese seit einiger Zeit diskutierte Lösung nun in die Tat umgesetzt wird! Damit erweist sich einmal mehr die österreichische Legehennenbranche als europäischer Vorreiter bei Qualitäts- und Tierhaltungsstandards. Dies ist eine historische Weichenstellung in Richtung Tierwohl und artgemäßer Tierhaltung.“

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