Wissen. Was die Branche bewegt
Branche

Neues Siegel für artgerechte Milchvieh-Haltung

Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Bio-Landwirte zu, die ihre Kälber bei der Mutter saugen lassen. Ein neues Siegel kennzeichnet nun diese besonders artgerechte Haltungsform.
08.10.2019
Seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Bio-Landwirte zu, die ihre Kälber bei der Mutter saugen lassen. Ein neues Siegel kennzeichnet nun diese besonders artgerechte Haltungsform.

"Zeit zu zweit für Kuh und Kalb" steht auf dem neuen Siegel, das eine besonders artgerechte Milchvieh-Haltung garantieren soll.

In der Milchproduktion werden die frisch geborenen Kälber aus wirtschaftlichen Gründen kurz nach der Geburt von der Mutter getrennt. Auch in der Bio-Landwirtschaft. Doch seit einigen Jahren nimmt die Zahl der Bio-Landwirte zu, die ihre Kälber bei der Mutter (oder einer Ammenkuh) saugen lassen. Um diese besonders artgerechte Haltung kennzeichnen zu können, haben die Demeter HeuMilch Bauern und der Verband ProVieh ein Siegel für die muttergebundene Kälberaufzucht bei Milchvieh entwickelt.

Kalb bleibt mindestens vier Wochen bei der Mutter

Der Standard für das Siegel sieht vor, dass das Kalb mindestens vier Wochen bei der Mutter bleibt. Das Ziel ist es, diese Zeit auf drei Monate auszudehnen. „Nach dieser Zeit ist der Pansen des Kalbes soweit entwickelt, dass es durch andere Futtermittel ausreichend versorgt werden kann“, steht als Begründung im Standard. Kuh und Kalb müsse „nach der Geburt täglich ausreichend Zeit zusammen eingeräumt werden, damit die Bindung zwischen Mutter und Kalb gefestigt wird.“ Später müssten Kuh und Kalb „mindestens zweimal am Tag die Möglichkeit haben zum Säugen aufeinanderzutreffen“.

"Trennung passt nicht in die Natur"

In der Milchwirtschaft seien die Kälber oft die Leidtragenden des Haltungssystem, erläutert Stefanie Pöpken, Fachreferentin bei ProVieh: „Die Trennung und gesonderte Aufzucht fernab der Mutterkuh passt nicht in die Natur dieser sozialen Tiere, die tiefe Freundschaften zueinander eingehen können.“ Rolf Holzapfel, Demeterbauer und geschäftsführender Vorstand der Demeter HeuMilch Bauern, sieht die mutter- oder ammengebunde Haltung als besonders wesensgerecht: „Der Sozialkontakt, das Belecken, die Körperpflege durch ihre Mütter und Ammen und das Saugen am Euter tun den Kälbern gut.“

Einzelheiten zum Siegel gibt es auf der Webseite https://kuhpluskalb.de.

Interessant ist auch die Reportage "Mein Kalb bleibt bei mir" aus der Schrot[&]Korn vom Dezember 2017.

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge