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Eier-Produktion

Wenn männliche Küken gar nicht erst schlüpfen

Geschlechterbestimmung im Ei macht es möglich, dass nur noch Legehennen zu Welt kommen. Erste Eier, die so produziert wurden, sind jetzt im LEH erhältlich.
12.11.2018 vonLeo Frühschütz
Geschlechterbestimmung im Ei macht es möglich, dass nur noch Legehennen zu Welt kommen. Erste Eier, die so produziert wurden, sind jetzt im LEH erhältlich.

Die Rewe-Gruppe bietet in einem Testlauf konventionelle Eier an, bei deren Erzeugung keine männlichen Küken getötet wurden.

Brüterei bestimmt das Geschlecht des Embyros im Ei

Anders als bei mehreren Bio-Initiativen wurden die männlichen Bruderküken der Legehennen nicht großgezogen und später als Bruderhähne geschlachtet. Stattdessen bestimmt die Brüterei das Geschlecht der Embryos im Ei. Eier mit männlichen Embryos werden aussortiert, so dass nur noch Legehennenküken zur Welt kommen.

Die Eier aus den ersten Testläufen vermarket die Rewe-Gruppe unter dem Label „respeggt“, aktuell erhältlich in 223 Rewe- und Penny-Märkten in Berlin. Im Laufe des Jahres 2019 soll es die respeggt-Eier in allen Rewe und Penny-Märkten geben. Perspektivisch könnten sogar andere Eierprodukte, wie Nudeln oder Kuchen, mit dem respeggt-Label ausgezeichnet werden. „Wer möchte, kann durch sein Kaufverhalten nun mit dazu beitragen, die Praxis des Kükentötens zu beenden“, schreibt Rewe.

Geschlechterbestimmung im Ei soll zum Geschäftsmodell werden

Die neue Methode zur Geschlechtsbestimmung im Ei stammt von Wissenschaftlern der Universität Leipzig und wurde seit Jahren mit finanzieller Unterstützung des Bundeslandwirtschaftsministeriums entwickelt. Ursprünglich sollte sie bereits 2017 serienreif sein. Sie gilt als Antwort der industriellen Eier-Erzeugung auf das oft kritisierte Töten der männlichen Küken.

Um die Ergebnisse der Forscher in die Praxis umzusetzen, haben Rewe und die niederländische Brüterei HatchTech Group BV das Unternehmen Seleggt GmbH gegründet. Neben der Versorgung der Rewe-Märkte soll Seleggt ein Geschäftsmodell erarbeiten, „um die Technik der Branche kostenneutral als Dienstleistung zur Verfügung zu stellen.“

2017 sind in deutschen Ställen extrem viel mehr männliche Küken als 2016 getötet worden. Die genaue Zahl geht aus einem Bericht der Süddeutschen Zeitung hervor.

Aussortierte Eier werden zu Tierfutter

Auf einer eigenen Webseite erklärt Seleggt das Verfahren den Verbrauchern. Dort ist unter anderem zu lesen, dass die aussortierten Bruteier zu Tierfuttermittel verarbeitet werden. Garantie und Herkunftssicherung der respeggt-Eier soll eine Blockchain-Technologie sicherstellen.

Preisunterschied zu herkömmlichen Eiern

Über den Preis schreibt Ökotest, die Eier würden „ein bis zwei Cent pro Ei mehr kosten“. Rewe spricht von „von einigen wenigen Cent pro Packung.“ Penny verlang auf seienr Angebotsseite 1,59 Euro für sechs respeggt-Freilandeier, das wären 26,5 Cent. Der Discounterpreis für konventionelle Freiland-Eier liegt bei 17 Cent, Bio-Eier kosten dort 27,9 Cent.

Bruderhahn-Initiative bezieht Stellung

Die Bruderhahn Initiative hat sich klar gegen die Geschlechtsbestimmung im Ei und das Töten der männlichen Embryos ausgesprochen. Nur die Züchtung eines Zweinutzungshuhns sei eine echte Alternative zum Kükentöten.

Die von Bio-Großhändlern und Landwirten 2012 gegründte Bruderhahn-Initiative Deutschland (BID) lehnt diese Art der Selektion ebenso ab wie der Demeter-Verband. Die BID merkt kritisch an, dass sich die Bio-Branche als Ganzes bisher zu keiner gemeinsamen Stellungnahme durchringen konnte. Entscheidendes Argument gegen die In-Ovo-Bestimmung ist aus Sicht der BID, dass das Kükentöten durch die In-Ovo-Selektion nicht beendet, sondern das Küken nun im Ei getötet werde. Spätestens am siebten Tag sei bei dem Embryo ein Schmerzempfinden nachweisbar.

Auch ändere die In-Ovo-Methode nichts an den bestehenden Monopol-Strukturen, die es in der Geflügelzüchtung weltweit gebe. „Im Gegenteil, die Geschlechtsbestimmung im Ei würde bestehende Strukturen noch mehr festigen“, schreibt die BID. Da nahezu 100 Prozent der im Öko-Landbau eingesetzten Hennen aus dem Hause der großen Zuchtfirmen stammten, würden die ökologischen Geflügelhalter und Brütereien in weitere Abhängigkeiten der Agrarindustrie geraten.

Aus Sicht der BID ist deshalb die von der Ökologischen Tierzucht GmbH ÖTZ betriebene Zucht eines Zweinutzungshuhns die einzige nachhaltige Alternative zum Kükentöten. Diese Züchtung müsse weiter voran gehen, erste Erfolge seien vorzeigbar.

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