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Massive Probleme mit Bio-Ingwer aus China – und einer Kontrollstelle

Große deutsche Handelsunternehmen haben bei Audits Probleme bei chinesischen Lieferanten von Bio-Ingwer festgestellt - und über den Qualitätsmanagement-Newsletter einer nationalen Spitzenorganisation des Obst- und Gemüsehandels ihre Branchenkollegen gewarnt.
15.03.2017
Große deutsche Handelsunternehmen haben bei Audits Probleme bei chinesischen Lieferanten von Bio-Ingwer festgestellt - und über den Qualitätsmanagement-Newsletter einer nationalen Spitzenorganisation des Obst- und Gemüsehandels ihre Branchenkollegen gewarnt.

Große deutsche Handelsunternehmen haben bei Audits Probleme bei chinesischen Lieferanten von Bio-Ingwer festgestellt[nbsp]– und über den Qualitätsmanagement-Newsletter einer nationalen Spitzenorganisation des Obst- und Gemüsehandels ihre Branchenkollegen gewarnt.

In dem Newsletter steht, dass die Ware zwar weitgehend rückstandsfrei war, es seien aber „eindeutige Verstöße gegen den Ecocert Standard (gleichwertig zur EU-VO Ökologischer Landbau) festgestellt worden.“ Dabei scheine das Prinzip immer ähnlich gewesen zu sein, heißt es weiter, bevor die in den Audits festgestellten Verstöße aufgelistet werden:

  • zu hohe Stickstoffbilanz
  • potentieller Einsatz von Mineraldünger
  • potentielle Anwendung chemisch-synthetischer Düngemittel
  • potentieller Einsatz unerlaubter Pflanzenschutzmittel
  • unzureichende Umstellungszeit bzw. rückwirkende Umstellungszeiten
  • keine Fruchtfolge, kein Leguminosenanbau
  • unzureichende Trennung bei Verpackungen
  • unzureichende Etikettierung
  • fehlende Trennung in der Verarbeitung
  • Analyseergebnisse mit Wirkstoffen
  • zu hohe Ertragsschätzung

Abschließend empfiehlt der Verband seinen Mitgliedern „besondere Sorgfalt bei der Auditierung bzw. Auswahl der Lieferanten“, da es sich in China um größere Unternehmen handele, die den deutschen Markt versorgen.

(Bild: Fotolia/Leonid Nyshko)

Kommentar: Das Problem hat einen Namen

Bemerkenswert an dieser verbandsinternen Information ist nicht, dass es Probleme mit Ware aus China gibt. Bemerkenswert ist die klare Zuordnung zu einer Kontrollstelle: Mitgeteilt wurden „Verstöße gegen den Ecocert Standard“. Es geht also um Bio-Lebensmittel, die von der chinesischen Niederlassung des weltweit tätigen französischen Unternehmens Ecocert zertifiziert wurden. Und die aufgelisteten Verstöße haben nicht die Ecocert-Inspektoren bemerkt, sondern Auditoren, die von deutschen Handelsunternehmen beauftragt wurden, vor Ort nach dem Rechten zu schauen. Kontrollen-Kontrolle also.

Eigentlich wäre es die Aufgabe der EU-Kommission, Kontrollstellen zu überwachen, die in Drittländern Bio-Ware für den Import in die EU zertifizieren. Doch dafür fehlt das Personal, wie zuletzt auf einer Diskussion auf der BioFach deutlich wurde, in der Bio-Importe aus China das Thema waren. Die Warnung des Verbandes an seine Mitglieder gibt der Kommission einen klaren Hinweis, wo sie ihr knappes Personal sinnvollerweise sofort vorbeischicken sollte. Eigentlich müssten sie sogar schon lange dort sein – bei Ecocert in China. Denn üblicherweise geben Auditoren, die auf so krasse Kontrollmängel stoßen, die Hinweise an die Behörden weiter. Doch was passiert dann damit?

Leo Frühschütz

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