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LEH

Nachhaltig ohne Strategie

Das Umweltbundesamt hat die Nachhaltigkeitsbemühungen des konventionellen LEH untersucht. Es fand Werbesprüche und einzelne Maßnahmen, aber keine ganzheitliche Strategie. Große Teile des Sortiments sind aus Sicht der Experten wenig nachhaltig.

21.02.2020 vonRedaktion

Das Umweltbundesamt hat die Nachhaltigkeitsbemühungen des konventionellen LEH untersucht. Es fand Werbesprüche und einzelne Maßnahmen, aber keine ganzheitliche Strategie. Große Teile des Sortiments sind aus Sicht der Experten wenig nachhaltig.

Produktion und Konsum von Lebensmitteln seien weltweit gesehen verantwortlich für 60 Prozent des Verlustes an Tier- und Pflanzenarten und für 24 Prozent der Treibhausgasemissionen, schreibt das Umweltbundesamt. Deshalb komme dem Handel aus Sicht der Behörde eine entscheidende Rolle für die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln zu:

  • Durch sein Angebot beeinflusst er die Konsumentscheidungen der Verbraucher und kann ihnen eine nachhaltige Ernährung ermöglichen.
  • Durch seine Sortimentsgestaltung übt er Einfluss auf die Erzeuger-, Liefer- und Herstellerbetriebe aus und darauf, welche Lebensmittel produziert werden.

Deshalb haben die UBA-Experten die Nachhaltigkeitsbemühungen und Sortimente der großen LEH-Konzerne und deren Verlautbarungen untersucht und in dem Bericht „Nachhaltiger Handel(n)?!“ zusammengefasst. Das Fazit: Die Konzerne verfolgen keinen ganzheitlichen Ansatz: „Verbesserungen aus Umweltsicht werden nur für einzelne Produkte oder Produktgruppen erzielt und diese von anderen Aktivitäten wie zum Beispiel Werbung für nicht nachhaltige Produkte konterkariert.“

Kritik an tierischen Billigangeboten

Ausgangspunkt der UBA-Analyse waren verschiedene Aspekte einer nachhaltigen Ernährung, vom Einsatz von Pestiziden und Dünger über saisonale Lebensmittel bis hin zu einer fleischarmen Diät. Während das UBA einige Vorhaben der Handelsketten fand, um den Pestizideinsatz zu verringern, gab es keine Aktivitäten zum bedarfsgerechten Einsatz von Düngemitteln.

Auch die „gravierenden Umweltauswirkungen, die durch die Herstellung tierischer Lebensmittel entstehen, werden vom LEH kaum thematisiert“, heißt es in dem Bericht. Gleichzeitig würden etwa 70 Prozent des Schweinefleisches als Sonderangebot verkauft. Das UBA begrüßt die Tierwohl-Anstrengungen des LEH, kritisiert aber auch, dass sie nur bestimmte Tiere und Sortimente umfassen und wenig ambitioniert seien.

Gleichzeitig hätten viele Lieferbetriebe noch nicht einmal die bestehenden gesetzlichen Regelungen umgesetzt. Der Bericht bemängelt auch, dass den Tierwohl-Aktivitäten „andere, oft über den Preis definierte Angebote derselben Unternehmen gegenüberstehen.“ Solche Angebote ließen sich „ nur schwer mit Tierwohl und Nachhaltigkeit vereinbaren und untergraben letztlich die Glaubwürdigkeit des LEHs bezüglich seiner Bemühungen zur Nachhaltigkeit“, schrieben die UBA-Experten.

LEH muss Erzeuger- und Lieferbetriebe stärker fördern

Das UBA lobt das wachsende Angebot veganer und biologischer Lebensmittel und bezeichnet den LEH als wichtigen Treiber für den Konsum von Bio-Lebensmitteln. Die Behörde stellt aber auch klar, dass der LEH das Angebot von Bio-Lebensmitteln weiter ausbauen und Erzeuger- und Lieferbetrieben stärker fördern und unterstützen müsse, wenn das amtliche Ziel von 20 Prozent Biofläche bis 2030 erreicht werden soll. Als derzeitige Umsatzanteile für Bio nennt der Bericht 6,9 Prozent für Aldi Süd und 5,8 Prozent für Rewe. Bei den meisten anderen Händlern fehlten die Angaben.

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