Wissen. Was die Branche bewegt
Dr. Goerg

Kokos-Rebell mit Rock'n'Roll im Blut

Aus dem Rheinland-Pfälzischen Montabaur liefert Dr. Goerg seine Kokosprodukte in die ganze Welt. Nachhaltigkeit, soziales Engagement und beste Qualität gehören für Gründer und Geschäftsführer Manfred Görg dabei untrennbar zusammen.

17.04.2020 vonSusanne Gschwind

Manfed Görg hat aus seiner Liebe zu der exotischen Frucht ein florierendes Unternehmen gemacht.

Aus dem Rheinland-Pfälzischen Montabaur liefert Dr. Goerg seine Kokosprodukte in die ganze Welt. Nachhaltigkeit, soziales Engagement und beste Qualität gehören für Gründer und Geschäftsführer Manfred Görg dabei untrennbar zusammen.

Der Westerwald ist für Vieles bekannt, den kalten Wind etwa oder die deftige Hausmannskost. Ein Unternehmen, das sich ganz und gar der Kokosnuss verschrieben hat, vermutet man hier erst einmal nicht. Allerdings war das, was andere erwarten, für Manfred Görg noch nie das Maß der Dinge.

Doch von Anfang an: Alles begann damit, dass der Gründer und Geschäftsführer von Dr. Goerg vor rund 20 Jahren auf die Philippinen reiste. „Im Dschungel dort habe ich verschiedene Überlebenstrainings durchgeführt und viel Kokosnuss gegessen, die in Asien als Überlebensgarant gilt“, erzählt Görg. „Sie ist bekömmlich, leicht verdaulich und äußerst wohltuend.“ Damit war die Geschäftsidee des leidenschaftlichen Bruce Springsteen-Fans geboren: Görg wollte hochwertige Nahrungsmittel aus Kokos auf den Markt bringen. Vor allem das Kokosöl hatte es ihm angetan. Und da er es auch zuhause nicht missen wollte, nahm er sechs Liter davon mit.

Verwandte und Freunde, die probierten, waren ebenso begeistert wie er. Bald war die Nachfrage so groß, dass Görg nachbestellte und das Öl auf einer kleinen Messe ausstellte. Was folgte, war die Biozertifizierung und ein Stand auf der BioFach. „Dann ging es richtig los“, erinnert sich der dynamische Firmenchef. 2005 gründete er mit seiner Frau Dr. Elisa Görg die Dr. Görg GmbH. Der Erfolg hielt an, geschenkt wurde er ihm allerdings nicht: „Ich habe sieben Tage die Woche gearbeitet, 365 Tage im Jahr“, erinnert sich Görg – ganz wie sein Vorbild Bruce Springsteen. Mit der Rocklegende, die er persönlich kennt und mit der Görgs 13-jähriger Sohn Bruce (der Name ist natürlich kein Zufall) schon mehrfach auf der Bühne stand, teilt er eine Vision: „Wichtig ist es im Leben, dass man an sich selbst glaubt und überzeugt ist: Ich schaffe das!“

Nachhaltiger Anbau in einem Vulkantal

Also krempelte er die Ärmel hoch und suchte zusammen mit seinen Geschäftspartnern und philippinischen Bauern nach einem geeigneten Anbaugebiet. „Mit den Produkten nur zu handeln, hat mich nie interessiert“, sagt Görg, der selbst gelernter Landwirt und studierter Agrarökonom ist. Fündig wurde er in einem Vulkantal. „Hier gibt es kühle, vom Berg herunter kommende Winde und eine sehr reichhaltige Krumme.“

Der Anbau selbst erfolgt ausschließlich in nachhaltigen, biozertifizierten Mischkulturen. Auf künstliche Dünger, Insektizide und Pestizide verzichten die Bauern selbstverständlich. Zudem kultivieren sie die Pflanzen zusammen mit Gemüse, Bananen oder Moringa­bäumen. Auf einem Hektar stehen so mit 100 bis 150 Kokospalmen zwar nur etwa ein Viertel so viele Bäume wie in Plantagen. „Dafür gibt es in Mischgebieten aber auch weniger Schädlingsbefall, mehr Schatten und der Boden wird nicht einseitig ausgelaugt“, erklärt der Agrarökonom.

Faire Zusammenarbeit ist wichtig für Görg

Nachhaltigkeit bedeutet für Manfred Görg, der sich selbst als Buddhisten bezeichnet, auch, dass die Bauern, mit denen er zusammenarbeitet, ein verlässliches Auskommen haben. Um die Strukturen vor Ort zu unterstützen,

arbeitet er ausschließlich mit Kleinbauern und Partnern zusammen und investiert in das unternehmenseigene Fair Trade for Fair Life-Projekt.

Damit wird beispielsweise seit vielen Jahren die Patenschaft von Waisenkindern im Hospicio de San José in Manila übernommen. Das Projekt „Vom Rebellen zum Kleinbauern“ ermöglicht es, dass 180 Farmer im Anbau von Obst und Gemüse sowie in der Viehzucht geschult werden. „Ziel des Projektes ist es, Hunger und Armut zu beenden und in strukturschwachen Gebieten, die von Rebellen und dem Taifun Yolanda beeinträchtigt sind, eine Farmer-Familie zu gründen, die von Zusammenhalt geprägt ist“, so Görg.

Zauberwort Erntefrische

Der Firmenchef mit Produktmanagerin Josephine Kirschgens im Lager.

„Nachhaltigkeit und Wertigkeit sind bei mir die treibenden Kräfte“, sagt der Dr. Goerg- Chef. Neben der Lage der Anbaugebiete und dem Anbau ist die Verarbeitung der Kokosnüsse dafür entscheidend. Erntefrische lautet hier das Zauberwort. „Keine Kokosnuss wartet nach der Ernte länger als 72 Stunden auf ihren Einsatz“, garantiert Dr. Goerg.

In der Praxis heißt das, die frisch geernteten Früchte werden geöffnet, von Hand geschält, zerstückelt und unmittelbar danach vor Ort gepresst, damit das wertvolle Fruchtfleisch nicht verdirbt oder verschmutzt. Für einen Liter Öl kommen dabei etwa zwölf Nüsse zum Einsatz. Anders als bei der industriellen Pressung, bei der das Fruchtfleisch oft Monate lang gelagert, zerkleinert, geraspelt und für die Pressung oft stark erhitzt wird, presst man bei Dr. Goerg kalt. Die Pressung unter 38 Grad ist schonender, und Nährstoffe wie Vitamine, Mineralien und Spurenelemente bleiben besser erhalten.

Kokosprodukte werden nur nachts verladen

Dass das Öl nicht raffiniert, gebleicht oder desodoriert, sondern nur gefiltert wird, um es von Fruchtfleischrückständen zu befreien, versteht sich bei einem Bio-Produkt von selbst. Auch auf chemische Zusätze, die in konventionellen Produkten oft eingesetzt werden, um Konsistenz, Farbe, Geschmack und Geruch des Öls zu beeinflussen, verzichtet Dr. Goerg. Betriebshilfsstoffe wie Leitungswasser, Palmöl oder Kristallzucker, die die Produkte strecken, sind ebenfalls tabu.

Frisch verarbeitet werden die Kokosprodukte – neben Öl zum Beispiel auch Milch, Wasser, Mus, Mehl, Flakes und Chips – in temperaturgeschützten Hallen gelagert und per Containerschiff nach Deutschland transportiert. Damit die sensible Ware weder starker Lichteinstrahlung noch hohen Temperaturen ausgesetzt wird, findet das Verladen immer nachts statt.

Abgefüllt und in die ganze Welt versandt werden die Produkte in Montabaur. Hier, am deutschen Sitz des Unternehmens, haben Manfred Görg und sein rund 60-köpfiges Team 2016 ein 20.000 Quadratmeter großes ehemaliges Kasernengelände bezogen. Besonders stolz ist Görg auf die speziell für sein Unternehmen angefertigte Abfüllanlage für Kokosöl. Durch ihren hohen technischen Standard lasse sie nicht nur eine hohe Tagesauslastung zu, sondern sei auch ermüdungsfrei zu bedienen. Das Wohl seiner Mitarbeiter liegt Manfred Görg am Herzen. So gehören eine bezahlte Kaffeepause und kostenloses Obst im Unternehmen eben so dazu wie ein Yogaplatz, Waldwander- und Fitneswege oder ein großer Schwimm­-teich für die Mitarbeiter.

Kontinuierliche Sortimentserweiterung

Manfred Görg mit Sohn Bruce

Eine ganz besondere Wertschätzung wurde Thomas Ulitzka zuteil, der dem Unternehmen nach Manfred Görg am längsten angehört.Nachdem er die Prüfung zum Produktionsleiter als Klassenbester bestanden hatte, überraschte Görg ihn mit der Erfüllung eines Herzenswunsches: Ulitzka durfte mit einem Profi-Rennfahrer eine Runde auf dem Nürburgring drehen. Wie er schätzt auch Josephine Kirschgens, dass das Dr.Goerg-Team außerhalb der Arbeitszeit viel Zeit miteinander verbringt. Zudem gefällt der Oecotrophologin und Ernährungswissenschaftlerin, die seit rund fünf Jahren im Bereich Produktmanagement arbeitet, die Vielfältigkeit ihrer Aufgaben: „Kein Tag ist wie der andere, ich lerne jeden Tag dazu“, freut sich Kirschgens.

Zu tun gibt es für sie und ihre Kollegen aus der Produktentwicklung genug. Denn das Unternehmen, das nach Verbreitung, Breite und Tiefe der Produktrange europäischer Marktführer für Kokosprodukte ist, erweitert das Sortiment kontinuierlich. So bauen die Montabaurer derzeit das Aufstrichsortiment und den Naturkosmetik-Bereich aus. In Zukunft wird es zudem neue Produkte zum Thema „Gesunde Pause” und „Gesundes Frühstück” für Kindergarten- und Schulkinder geben. Hier wartet Dr. Goerg auch mit einem neuen Pancake-Sirup auf der Basis von Kokosblüten- und Reissirup auf.

Dass das Unternehmen dabei zum Beispiel keinen Agavensirup verwendet, hat einen Grund: Nachdem sich Manfred Görg den Anbau in Mexiko angeschaut hatte, war für ihn klar, dass diese Art des intensiven Anbaus – obwohl Bio – für ihn nicht in Frage kommt. Dieses Vorgehen bei der Wahl der Rohstoffe und Lieferanten ist keine Ausnahme. „Da wir fast alles direkt bei den Erzeugern kaufen, kennen wir praktisch alle“, sagt Görg. Kein Wunder, dass er mehrere Monate des Jahres auf Reisen ist.

Kokosöl: „Das reine Gift“?

Der Erfolg gibt ihm Recht: „Die Zuwachsraten der letzten Jahre lagen außerordentlich gut im zweistelligen Bereich“, so Görg. Eine Ausnahme machte allerdings das vergangene Jahr. Nachdem die Freiburger Professorin Dr. Karin Michels in einem Vortrag, der als Video viral ging, behauptet hatte, Kokosöl sei „das reine Gift“ und „schädlicher als Schweineschmalz“, habe der ganze Kokos-Markt stark gelitten.

Manfred Görg kann über die Vorwürfe nach wie vor nur den Kopf schütteln. Zum einen sei der Zusammenhang zwischen dem Konsum von Kokosöl und einem erhöhten Infarktrisiko wissenschaftlich nicht belegt. Zum anderen gebe es, im Gegenteil, Belege für die positive Wirkung des Öls, wobei Manfred Görg vor allem die im Kokosöl vorherrschende mittellange antimikrobiell wirkende Laurinsäure hervorhebt.

Wirklich getroffen haben ihn und sein Unternehmen die Vorwürfe und die damit verbundenen Umsatzrückgänge aber nicht. Im Gegenteil: „Wenn es mal ein Jahr etwas weniger bergauf geht, bin ich auch dafür dankbar“, sagt Görg. Denn so ein Tal gebe einem Zeit, sich neu zu ordnen. Langeweile dürfte bei dem Kokos-Rebellen aus dem Westerwald jedenfalls nicht aufkommen.

Drei Fragen an Manfred Görg

Was würden Sie heute tun, wenn Sie nicht auf die Kokosnuss gekommen wären?

Dann würde ich biologisch nachhaltige Landwirtschaft betreiben, speziell im Viehzuchtbereich. Mit Ackerbau, um
das dazugehörige Futter selbst anzubauen.

Wo sehen Sie die Haupt-Herausforderungen für Ihr Unternehmen?

Den Aufgaben des Marktes in Sachen Qualität und Nachhaltigkeit gerecht zu werden – in Verbindung mit dem Wohle unserer Mitarbeiter.

Welchen Stellenwert hat der Naturkostfachhandel für Sie?

Einen sehr großen. Er ist für jeden Bio-Kunden die Anlaufstelle schlechthin für Bio-Lebensmittel und genießt das größte Vertrauen. Somit trägt er auch die größte Verantwortung.

Zahlen – Daten – Fakten

2005: Gründung der Dr. Goerg GmbH
Standort: Montabaur
Sortiment: mehr als 100 Produkte, Top-Seller: Kokosöl, -wasser und -milch, zudem Trinkkokosmilch und Kokosblütenzucker.
Mitarbeiter: ca. 60
Verwaltungs-, Produktions- und Lagerfläche: 20.000 m²
Absatz: weltweit, Hauptabsatzmarkt: Deutschland
Vertrieb: Biofach- und Reformhandel, Drogeriemärkte, große konventionelle Lebensmittelhändler wie Edeka, Rewe und Globus. Insgesamt finden sich Dr. Goerg-Produkte in rund 10.000 Läden in mehreren europäischen Staaten.
Geschäftsführer: Manfred Görg
Webseite:
www.drgoerg.com

Kommentare

Das könnte Sie auch interessieren

Ähnliche Beiträge