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Körperöle: Pure Pflege

Pflanzenöle sind die ursprünglichste Art der Hautpflege. Mit einem breiten und tiefen Sortiment können Bioläden glänzen.

15.08.2019

Körperöle wie Kokosöl sind ein Klassiker der Naturkosmetik. Dass sie intensiv pflegen, hat sich inzwischen auch bei konventionellen Herstellern herumgesprochen.

Pflanzenöle sind die ursprünglichste Art der Hautpflege. Mit einem breiten und tiefen Sortiment können Bioläden glänzen.

Pflanzenöle und -fette gehören zu den Hautpflegeprodukten der ersten Stunde. Im rund sechstausend Jahre alten Ayurveda werden Ölmassagen beispielsweise neben der pflegenden seit je her gesundheitsfördernde Wirkungen zugeschrieben. In der vergleichsweise jungen Naturkosmetikbranche gehörten die öligen Produkte von Anfang an dazu. „Für mich sind sie die purste Pflege“, sagt Christiane Lampert, Inhaberin von absolut schön in Bremerhaven.

Stammkunden muss sie zu Anwendung und Funktion nicht viel erklären. Neue Kunden wollen aber fast immer wissen, ob man sich sofort nach dem Einölen anziehen kann, ohne Fettflecken auf der Kleidung zu riskieren. Christiane Lampert empfiehlt immer, das Öl nach dem Duschen oder Baden auf die feuchte Haut aufzutragen. Die dabei entstehende Wasser-Öl-Emulsion sei Voraussetzung dafür, dass das Öl gut einziehen und die wertvollen Fettsäuren in die Barriereschicht integrieren könne.

Die reichhaltigen Produkte gehen im absolut schön rund ums Jahr, auch im Sommer. Es hat sich offenbar herumgesprochen, dass Körperöle intensiv pflegen. Sie finden sich mittlerweile auch in den Sortimenten konventioneller Hersteller, von der Luxusmarke im edlen Flakon bis zum günstigen Drogerieprodukt. Hier lohnt allerdings der Blick auf die INCI. Es gibt Produkte, bei denen Mineralöl an erster Stelle steht. Daneben finden sich weitere bedenkliche Inhaltsstoffe. Häufig zum Einsatz kommen etwa PEG- und PEG-Derivate, die als Emulgatoren fungieren und die Haut durchlässiger für andere Stoffe machen können. Selbst der seit längerem in der Kritik stehende Konservierer BHT (Butylhydroxytoluol) findet sich in etlichen Formulierungen, ebenso synthetische Duftstoffe mit bekanntem Allergiepotenzial. Was viele nicht wissen: Sogar Mikroplastik findet sich auf der Zutatenliste manch eines Körperöls.

Wertvolle Rohstoffe

In zertifizierter Naturkosmetik ist das alles verboten. Körperöle im Bioladen überzeugen durch den Verzicht auf chemisch-synthetische Fette wie Paraffin und Silikon. Die Pflanzenöle – oft aus kontrolliert-biologischem Anbau – versorgen die Haut mit hochwertigen, hautähnlichen Fettsäuren. Sie stärken das Feuchthaltevermögen und die Barriereschicht. Wertvoll in den komplex zusammengesetzten Rohstoffen sind zudem die zahlreichen Begleitstoffe, darunter Antioxidantien wie die fettlöslichen Vitamine E und ß-Carotin sowie sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe wie Flavonoide, die native Öle im natürlichen Verbund enthalten. Dabei hat jedes Öl andere Vorzüge.

Der Mix macht‘s

Sie sind pflegetechnisch Allrounder und werden meist von jedem Hauttyp problemlos vertragen. Viele weisen eine gute Haltbarkeit auf und tragen damit zur Stabilisierung der Gesamtformulierung der Körperöle bei.

Basisöle

Jojobaöl: Das duftneutrale Öl ist eigentlich ein flüssiges Wachs. Es zieht schnell ein, bindet Feuchtigkeit, was vor allem reife Haut unterstützt. Aufgrund der guten Tiefenwirkung hat es eine glättende Wirkung.

Kokosöl: Ab etwa 25 Grad Celsius wird das Fett der Kokospalme flüssig. Es schmilzt auf der Haut, verteilt sich sehr gut und hinterlässt ein glattes, nicht fettiges Gefühl. Kokosöl versorgt die Haut mit Feuchtigkeit, dringt allerdings nicht tief ein.

Arganöl: Das ausgewogene Fettsäurespektrum versorgt reife, trockene Haut optimal und stärkt die Barrierefunktion. Auch sensible Haut profitiert davon. Unter anderem der hohe Vitamin E-Gehalt wirkt als Antioxidans.

Sesamöl: Im Ayurveda das Massageöl schlechthin. Es dringt tief in die Haut ein, stärkt deren Barriere und hilft ihr beim Regenerieren.[nbsp] Enthält viel Vitamin E.

Mandelöl: Wegen seiner ausgezeichneten Verträglichkeit auch für Baby- und strapazierte Haut zu
empfehlen. Es dringt gut ein, versorgt die Haut mit hautfreundlichen Fetten und spendet Feuchtigkeit.

Sonnenblumenöl: Das leichte Öl enthält viel von der ungesättigten Fettsäure Linolsäure, die der Haut Feuchtigkeit schenkt und die Hautbarriere stärkt, sowie viel Vitamin E.

Aprikosenkernöl: Mildes, sehr gut verträgliches Hautpflegeöl, das häufig in Produkten für reife Haut verwendet wird.

Wirkstofföle

Zu dieser Gruppe gehören Pflanzenöle, die reich sind an mehrfach ungesättigten Fettsäuren. Wirkstofföle, die auch pur angeboten werden, sind Spezialisten. Sie pflegen die Haut intensiv, stärken die Hautbarriere und sind als Anti-Aging-Substanzen sowie bei strapazierter, sensibler Haut angesagt.

Wildrosenöl: Enthält viel Alpha-Linolensäure und besitzt daher sehr gute regenerierende Eigenschaften. Versorgt die Haut mit Feuchtigkeit und kann Fältchen glätten.

Granatapfelkernöl: Zu den wichtigen Inhaltsstoffen darin gehören die antioxidativ wirksame Punicinsäure
sowie sekundäre Pflanzeninhaltsstoffe. Das Öl soll faltenreduzierend, hautstraffend und hautregenerierend wirken.

Hanföl: Besitzt entzündungshemmende und regenerierende Eigenschaften und kommt daher in Pflege für strapazierte und Neurodermitis-Haut gerne zum Einsatz.

Nachtkerzenöl: Zum außergewöhnlichen Fettsäurespektrum gehört die seltene Gamma-Linolensäure, die Problemhaut helfen kann.

Sanddornfruchtfleischöl: Das fette Öl aus dem fleischigen Teil der Beere enthält viel Palmitoleinsäure, die sich auch in unserem Hautfett findet. Durch den hohen Vitamin E und ß-Carotin-Gehalt wirkt es zellschützend, entzündungshemmend und antioxidativ.

Großes Sortiment

Mit annähernd 100 Körperölen ist die Auswahl im Bioladen groß. Orientierung bieten Bezeichnungen, die die Mischungen charakterisieren, etwa „Erfrischungsöl“,„Summer Time Körperöl“, „Entspannungsöl“, „Geborgenheit“, „Anti-Aging“ oder „Lavendel Vanille“.

Etwas erklärungsbedürfig ist der Begriff Trockenöl, den Cattier, Melvita und Algamaris für ihre Körperöle verwenden. Er bezieht sich nicht etwa auf die Anwendung auf trockener Haut, sondern auf den kosmetischen Fachbegriff, der für stark spreitende, das bedeutet sich rasch auf der Haut ausbreitende Öle steht. „Diese sogenannten trockenen Öle enthalten viele ungesättigte Fettsäuren“, sagt Simone Eschenbach, von der Kneipp-Tochter Cattier. „Sie ziehen daher schnell ein. So entsteht kein störender Fettfilm auf der Haut“. Ein wichtiger Bestandteil im Cattier Trockenöl ist Arganöl. „Dieses besteht zu etwa 80 Prozent aus ungesättigten Fettsäuren und unterstützt so den schnellen „Trocken“-Effekt“.

Schutz vorm Ranzigwerden

Beim Thema Haltbarkeit liegt der Hauptaugenmerk bei Körperölen auf dem Schutz vorm Ranzig-Werden. Das gilt insbesondere für die empfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren der Wirkstofföle. Sie oxidieren schnell beim Kontakt mit Sauerstoff und Licht. Mit Vitamin E-reichen Ölen und/oder Vitamin E-Zusätzen in der Formulierung verbessern die Hersteller die Haltbarkeit. Auch der Kunde kann dazu beitragen, indem er die Produkte kühl und dunkel lagert. Bei unangenehmem Geruch sollten die Produkte besser nicht mehr verwendet werden, auch wenn das Mindesthaltbarkeitsdatum vielleicht noch nicht erreicht ist. Oxidativer Stress entsteht übrigens auch, wenn die empfindlichen pflanzlichen Lipide auf der Haut UV-Licht ausgesetzt sind, etwa beim Sonnenbaden. Dann bilden sich freie Radikale, die den Alterungsprozess begünstigen. Die Haut kann gereizt reagieren, außerdem können Pigmentflecken entstehen. Empfehlung: Körperöle mit Wirkstoffölen in sonnenexponierten Jahreszeiten wie Frühjahr und Sommer und im Winterurlaub besser nachts einsetzen.

Tipps von der Kollegin

Christiane Lampert vom "absolut schön" in Bremerhaven bietet ihren Kunden auf rund 50 Quadratmetern ein Sortiment mit mehr als 50 Marken.

  • Körperöle sind ein sinnliches Erlebnis. Lassen Sie die Kunden daran riechen und ausprobieren. Stellen Sie ein Hydrolat bereit, damit die Haut befeuchtet werden kann.
  • Kunden schätzen das Einkaufserlebnis: Begleiten Sie sie von Öl zu Öl und erklären Sie die Vorzüge der verschiedenen Kompositionen.
  • Kunden, die aus dem konventionellen Bereich kommen, erkläre ich den Unterschied eines Pflanzenöls zu Paraffin oder Silikon gerne anschaulich. Dafür habe ich einen Plastikhandschuh griffbereit.[nbsp] Damit lässt sich sehr schön zeigen, wie sich die Feuchtigkeit darunter staut.
  • Halten Sie Fachliteratur zum Nachschlagen griffbereit für kniffeligere Fragen und Rezeptbücher für DIY-Kunden. Bei mir stehen diese sichtbar hinterm Tresen.

Ein glattes Hautgefühl

Längst nicht immer enthält ein naturkosmetisches Körperöl ausschließlich reine, native Pflanzenöle. Beliebte Zutat im Ölmix sind etwa Esteröle, die noch gar nicht so lange für zertifizierte Naturkosmetik zugelassen sind. Diese Fettkörper bestehen aus isolierten Fettsäuren von Palmkern- und Kokosöl. Sie enthalten keine Fettbegleitstoffe wie Vitamine. In der INCI finden sie sich unter Bezeichnungen wie Caprylic/CapricTriglyxeride, PropanediolDicaprylate/Caprate oder Dicaprylyl Carbonate. Die dünnflüssigen, farb- und geruchlosen Öle verhalten sich auf der Haut neutral, weisen eine gute Stabilität auf und fungieren unter anderem als Emulgator. Sie ermöglichen ein ähnliches Anwendungsergebnis wie konventionelle Produkte: Sie verteilen sich wie Silikonöle sehr schnell auf der Haut und hinterlassen ein angenehmes Hautgefühl. Die Haut glänzt weder, noch fühlt sie sich klebrig an.

Sensibelchen

Öle sind aufgrund des wasserfreien Milieus wenig anfällig für Keime. Ein Thema, insbesondere bei Wirkstoffölen mit ihren empfindlichen mehrfach ungesättigten Fettsäuren, sind oxidative Prozesse durch Sauerstoff und UV-Licht. Naturkosmetikhersteller setzen zur Stabilisierung auf haltbare Basisöle, natürliches Vitamin E, ätherische Öle und teilweise alkoholische Zusätze. Sie sollten kühl und dunkel lagern. „Kippt“ das Öl, entstehen reaktive Sauerstoffmoleküle, die Hautreizungen verursachen können. Bei unangenehmem Geruch also nicht mehr verwenden. Oxidativer Stress entsteht auch, wenn Pflanzenöle auf der Haut UV-Licht ausgesetzt sind, etwa beim Sonnenbaden. Dann bilden sich freie Radikale, die die Hautalterung begünstigen. Die Haut kann gereizt reagieren, Pigmentflecken können entstehen. Empfehlung: Wirkstofföle in sonnenexponierten Jahreszeiten wie Frühjahr und Sommer und im Winterurlaub besser nachts einsetzen.

Anbieter von Körperölen

Anakena Monoi de Tahiti Haut- und Haaröl

Farfalla Umhüllendes Körperöl, Kuschelzartes Körperöl, Aphrodisisches Körperöl, Aroma-Yoga Benzoe Sonnengruß Körperöl. Edelsteinöle: Gelassenheit, Geborgenheit, Regeneration, Anti-Stress, Lebensfreude, In Fluss kommen und Jungbrunnen.

Khadi Körperöl und Gesichtsöle Anti-Aging, Hibiskus, White Lily, Pink Lotus, Rose, Viola und Regenerierendes Öl Centella

Logona Granatapfel + Q10

Primavera Körperöle Ingwer-Limette, Lavendel-Vanille, Rose-Osmanthus und Minze-Zypresse

Ayluna Entspannendes Körperöl, Körperöl Mondaufgang und Körperöl Wunderbaum

Madara Infusion Vert Straffendes Körperöl mit Antioxidantien

Weleda Citrus Erfrischungsöl, Granatapfel-Regenerations Öl, Lavendel Entspannungsöl, Sanddorn Plfegeöl, Harmonisierendes Pflegeöl Wildrose und Nachtkerze Revitalisierungsöl

CMD Sandorini Körper- und Massageöl und Rosé Exclusive Körperöl

Provida Vitamin E Körperöl, Almond Lemon Body Oil und Zitronen Mandel Körperöl

Oceanwell Pflege-Öl und Restructuring Oil

Martina Gebhardt Summer Time Body Oil

Speick Natural Aktiv Körperöl

Börlind Schimmerndes Körperöl, Black Forest Pflegendes Wellness Dry Body Oil, Body Lind Fresh Dry Body Oil, Pflegendes Dry Body Oil Orange und Mango Dry Body Oil

Fair Squared Argan Skin Care Oil

CMD Rosé Exclusive Körper- und Massageöl. Sandorini Körper- und Massageöl, Sandorini Face [&] Body Shimmer

Biokosma Verwöhnendes Körperöl, Pflegendes Körperöl

Bioturm Pilgeröl

Cattier Trockenöl Kamelie[&]Argan

Dr. Hauschka Birken Arnika Pflegeöl, Moor Lavendel Pflegeöl, Rosen Pflegeöl, Schlehenblüten Pflegeöl und Zitronen Lemongras Pflegeöl

Laboratoires de Biarritz Monoi Pflegeöl Vanille, Kokosnuss, Tiaréblüten

Safeas Grapefruit Forming Körperöl, Ingwer Detox Körperöl, Rosengeranie Revital Körperöl und Sandelholz Relax Körperöl

Schoenenberger Pflegeöl Regeneration

Tautropfen Regenerierendes Körperöl, Beruhigendes Körperöl und Hautstraffendes Körperöl

Urtekram Purple Lavendel Body Oil

Zedan Intensivpflege Haut und Massage Öl

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