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Bio in China: Spiegel-Bericht dementiert

Der Spiegel zeichnete in seiner aktuellen Ausgabe ein verheerendes Bild von Bio aus China. Die wichtigste Quelle der Zeitschrift distanzierte sich von dem Bericht: “Das ist Quatsch.“
17.04.2019
Der Spiegel zeichnete in seiner aktuellen Ausgabe ein verheerendes Bild von Bio aus China. Die wichtigste Quelle der Zeitschrift distanzierte sich von dem Bericht: “Das ist Quatsch.“

Der Spiegel zeichnete in seiner aktuellen Ausgabe ein verheerendes Bild von Bio aus China. Die wichtigste Quelle der Zeitschrift distanzierte sich von dem Bericht: "Das ist Quatsch.“

Der Artikel „Außer Kontrolle“ in der aktuellen Spiegelausgabe (Paywall) stützt sich auf ein internes Dossier des weltweit operierenden deutschen Zertifizierers Ceres. Es offenbare „nicht nur das mangelnde Unrechtsbewusstsein der Bauern, sondern auch ein ausgeprägtes Versagen der Prüfer“, schrieb der Spiegel. Er berichtete von Glyphosatflaschen auf den Feldern und Kunstdüngersäcken vor der Lagerhalle.

In dem Dossier hatte Ceres die Ergebnisse von 51 Kontrollen zwischen 2007 und 2017 zusammengefasst, bei denen CERES-Mitarbeiter die chinesischen Kollegen bei Inspektionen vor Ort begleitet hatten. „In 41 Prozent der Fälle gab es mehr als drei Verstöße gegen Prüfrichtlinien“, schrieb der Spiegel und erweckt den Eindruck, dass damit Verstöße gegen Öko-Kriterien gemeint gewesen seien.

Richtigstellung folgte in der taz

In einem taz-Interview stellte Ceres-Geschäftsführer Albrecht Benzing den Sachverhalt richtig: „Wir haben bei 41 Prozent dieser Kontrollen mehr als drei schwerwiegende Fehler der Kontrolleure festgestellt. Dabei geht es um Dinge wie ungenügende Verifizierung von Informationen, oder 'Vergessen' wichtiger Teile eines Betriebs.“ Also um schlampige Kontrolle, die aber nichts über die Öko-Qualität des kontrollierten Betriebs und seiner Produkte aussagt. „Wir hatten den Redakteur darauf hingewiesen, aber offensichtlich wollte er sich seine schöne Geschichte nicht durch komplizierte Fakten kaputt machen lassen“, sagte Benzing der taz.

Die taz wollte wissen, warum Ceres nicht schon früher auf solche Missstände reagiert habe. „Das Ausmaß der Probleme erkannten wir erst, als wir 2016 von Kontrollbegleitungen umschwenkten zu systematischen unangekündigten Nachkontrollen“, sagte Benzing. Dabei hätten sie Fälle gefunden, bei denen die vorliegenden Inspektionsberichte wenig mit der Realität zu tun gehabt hätten. „Als unser damaliger Partner vor Ort nicht bereit war, die betreffenden Kontrolleure zu entlassen, haben wir uns getrennt“, schilderte er die Konsequenz. Seit Anfang 2018 arbeite Ceres in China „in einer neuen Partnerschaft mit neuen Leuten mit einer anderen Mentalität.“

"Geradezu gütig" – Spiegel-Artikel bewertet Kontrollstellen

Der Spiegel-Artikel erwähnte auch, dass Ceres als besonders strenge Ökokontrollstelle gilt und berief sich dabei auf Daten des US-Landwirtschaftsministeriums. „Deutlich nachsichtiger“, ja „geradezu gütig“ scheinen laut Spiegel die holländische Control Union und die Nürnberger Kiwa BCS zu sein, die in China Marktführer ist. Kiwa BCS habe laut der US-Liste von mehr als 500 zertifizierten Betrieben bisher nur einem das Zertifikat entzogen, schrieb der Spiegel und fügte hinzu, dass sich der Zertifizierer nicht zu Fragen geäußert habe.

Das Magazin machte abschließend auf ein neues „deutsch-chinesisches Prüf-Joint-Venture aufmerksam, das künftig in China kontrollieren wolle. Beteiligt seien „ehemalige Ceres-Kontrolleure, die für ihre Nachsichtigkeit bekannt waren“. Dessen ungeachtet hat die deutsche Akkreditierungsstelle DAkkS dem Unternehmen bestätigt, dass es zur Öko-Kontrolle befähigt sei. Dies ist ein wichtiger Schritt, um die notwendige Anerkennung der EU-Kommission als Kontrollstelle für Drittlandimporte zu erhalten.

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