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Tahin probieren lassen

Tahin bietet Fachgeschäften gute Absatz-Chancen. Verkostungen sind das wichtigste Instrument, um den Kunden die Creme schmackhaft zu machen.
14.02.2020 vonAnnette Sabersky

Pur oder als Zutat in Humus lässt sich die Sesampaste gut dippen.

Tahin bietet Fachgeschäften gute Absatz-Chancen. Verkostungen sind das wichtigste Instrument, um den Kunden die Creme schmackhaft zu machen.

Im LEH ist Tahin noch eher die Ausnahme. Und wenn es dort im Regal steht, dann meist in konventioneller Qualität. „Bioläden sind darum die erste Anlaufstelle für die nussige Paste. Sie sollten diese Chance nutzen“, erläutert Heureka-Geschäftsführerin Britta Fladerer. Doch das scheint noch nicht jedes Fachgeschäft erkannt zu haben. 0,05 Prozent beträgt der Umsatzanteil von Tahin am Gesamtumsatz eines Ladens, wie Zahlen von bioVista zeigen. Zwischen April 2018 bis März 2019 hat der Umsatz zwar um 5,7 Prozent zugenommen. Doch da geht noch mehr: Durchschnittlich 17 Gläser Tahin verkauft ein Bio-Fachgeschäft in einem Monat.

Das eigene Konzept zu überdenken lohne sich auch deshalb, weil Tahin einen sehr guten Rohertrag hat, betont Britta Fladerer. Je Glas bleibt hier also einiges „hängen“, mehr als vergleichsweise beim Verkauf von Milch oder Marmelade. „Um sich Kompetenz aufzubauen, sollten kleine Läden zunächst nur mit einer Marke starten, diese breit aufstellen und das Sortiment dann peu á peu erweitern“, empfiehlt Britta Fladerer.

Empfehlungen fürs Regal

Laut der Ladenberaterin sollte ins Regal: Für Einsteiger ein mildes, weißes Tahin, da es nicht so bitter schmeckt. Dazu eine Paste aus zweierlei Saat, also aus geschältem und ungeschältem Sesamsamen. Auch ein gesalzenes Mus kann noch dazu gestellt werden. Größere Bioläden und Fachgeschäfte mit Tahinaffiner Kundschaft können sich breiter aufstellen. Wo viele Veganer und Vegetarier einkaufen, passen auch verschiedene Marken ins Regal, günstige ebenso wie höherpreisige und diese jeweils in gesamter Breite von mild bis herb.

Am besten platziert man die Sesampaste bei den Nussmusen. Wer den Platz hat, sollte sie ebenfalls zum Asiasortiment wie Sojasauce, Miso und Algen stellen, oder zu den orientalischen Gewürzen.

Multifunktionale Paste

Auch wenn Tahin in vieler Munde scheint: Es gibt Kunden, die es nicht kennen – oder Vorbehalte haben. Das lässt sich ändern. Zum Beispiel mit Hilfe regelmäßiger Verkostungen. Dabei gilt zu beachten, dass Sesampaste nicht pur gereicht wird, auch nicht auf Baguette oder Brot. So ist sie vielen zu ölig und bitter. „Tahin ist multifunktional“, weiß Elise Sercu, Produktmanagerin bei Lima, mit Blick auf die diversen kulinarischen Verwendungsmöglichkeiten. Man könne es in Saucen mischen oder auch in einen Dip. Eine Variante, die Kunden schmecken dürfte, ist beispielsweise in Tahin marinierter Tofu, gebraten und auf Holzspießchen serviert. Schnell gemacht ist zudem ein Shake mit Mandelmilch, Banane und Tahin, abgeschmeckt mit Datteln und Zimt. Ausgeschenkt wird es in kleinen (Mehrweg-)Bechern.

Für Bio-Läden mit Gastro-Angebot bietet es sich an, regelmäßig mit der Paste zu backen oder zu kochen – und so die Kunden darauf aufmerksam zu machen. Extra für den Gastrobereich gibt es Tahin in Drei- oder auch Zehnkilo-Einheiten, etwa von Eisblümerl, anstatt der 250- oder 500-Gramm-Gläser, die im Regal stehen.

„Tahin passt zu fast jeder jahreszeitlichen Aktion im Bioladen“, beobachtet Britta Fladerer, die das Sesammus selbst regelmäßig verwendet. Sie empfiehlt, es stets auch auf den saisonalen Thementischen zu platzieren. So macht es sich gut als Marinaden- oder Saucenbestandteil bei den sommerlichen Grillutensilien wie Würstchen und Salat. Auf dem Herbst-Tisch kann es als Zutat für Power-Shakes – mit Pflanzendrink und Frucht – angepriesen werden. Im Winter ist Tahin eine wichtige Backzutat für Kekse und steht somit wie selbstverständlich neben Dinkelmehl, Rosinen und Backpulver. Im Frühjahr schließlich ist es die gesunde Zutat zu Salaten und jungem Gemüse.

Rezeptideen von Anbietern

Wer Rezeptideen sucht, wird bei den Anbietern fündig. Sei es in Form von Broschüren und Flyer. Oder auf den Gläsern selbst, wie bei Eisblümerl: „Auf unseren Etiketten bekommen die Kunden durch Verwendungsbildchen und Redewendungen wie ‚streich mich‘, ‚koch mich‘ oder ‚nasch mich‘ Anregung zur Verwendung“, so Josephine Baake vom Marketing.

Rezeptideen finden sich selbstverständlich auch auf den Homepages der Hersteller. Darunter sind nicht nur orientalische Gerichte. „Auch in der europäischen Küche bietet Tahin viele Einsatzmöglichkeiten“, bestätigt Eva Kiene vom Naturkosthersteller Rapunzel und verweist auf die Firmen-Website. Hier finden sich insgesamt 63 Rezepte mit der Sesampaste. Ganz schön lecker.

Viele Kunden wissen nicht, wie vielseitig Tahin ist. Rezeptideen und Verwendungshinweise sind darum besonders wichtig.

Eva Kiene, Pressesprecherin Rapunzel

Tipps von der Kollegin

Gabi Lorenz, Paradieschen in Linsengericht (700 Quadratmeter)
  • „Wir haben uns für zwei sehr hochwertige Marken entschieden.
  • Ausgewählt haben wir Tahin mit und ohne Salz, wobei letzteres besser läuft.
  • Platziert haben wir die Sesampasten bei den Nussmusen. Aber auch bei asiatischen Lebensmitteln kann ich mir sie gut vorstellen.
  • Gerade haben wir wieder unsere Kochpakete angeboten, die dieses Mal auch eine Anleitung für eine Kichererbsencreme mit Tahin enthielt.
  • Wir bauen auf einem Tisch dann immer üppig sämtliche Zutaten des Rezepts auf, die die Kunden als Paket oder auch einzeln kaufen können.
  • Wir haben die Hummuscreme natürlich auch zubereitet und den Kunden zum Probieren angeboten. Das kam sehr gut an und hat Extra-Verkäufe generiert.“

Hersteller und ihre Produkte

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