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Corona: Bio-Unternehmen berichten aus dem Ausland

Partner und Mitarbeiter des Fairhandelshauses Gepa berichten aus aller Welt über ihre Situationen in der Coronakrise - und die sind sehr unterschiedlich.

14.04.2020 vonRedaktion

Symbolbild

Partner und Mitarbeiter des Fairhandelshauses Gepa berichten aus aller Welt über ihre Situationen in der Coronakrise - und die sind sehr unterschiedlich.

Gepa: Asien, Griechenland, Honduras

Das Fairhandelshauses Gepa lässt seine Partner weltweit über ihre Situation während der Corona-Krise berichten. Kunsthandwerker ebenso wie Lebensmittelproduzenten. Deren Situation ist sehr unterschiedlich.

Noch weitgehend unbeeinträchtigt kann Green Net in Thailand arbeiten. „In Thailand ist alles soweit okay für uns - Vorsichtsmaßnahmen sind ein Muss“, berichtet Vitoon Panyakul, der Geschäftsführer des Reis-Lieferanten. Doch er sorgt vor: „Wir stellen gerade unsere eigenen Masken aus Bio-Baumwolle her, da die Einweg-Masken jetzt knapp werden.“ Auch die Berichte aus Vietnam und Indonesien klingen noch entspannt.

Die Handelspartner auf den Philippinen berichten von Einschränkungen im Alltag, die das Anliefern, Verarbeiten und Exportieren erschweren. Vor Ort sind die Kooperativen aktiv, um Menschen zu unterstützen, denen aufgrund von Ausgangssperren und Schließungen Einnahmen wegbrechen.

Weitaus kritischer ist die Lage in Indien, Nepal und Bangla Desh, von der mehrere Handwerksbetriebe berichten. Einige mussten ihre Werkstätten schließen, andere können noch eingeschränkt produzieren. „Wir verteilen genügend Barvorschüsse an die Handwerker, damit sie lebensnotwendige Lebensmittel kaufen können“, schreibt Indro Dasgupta aus Kalkutta.

Bemerkenswert ist der Beitrag von Lesvos Solidarity in Griechenland. Die Organisation vertreibt Geldbörsen, Schlamper-Etuis, Taschen und Rucksäcke, die Geflüchtete aus Lesbos aus Rettungswesten nähen. Projektleiterin Efi Latsoudi schreibt über das Lager Moria, es sei völlig schutzlos. „Es werden keine Maßnahmen für die Flüchtlinge getroffen, nur dass sie das Lager nicht mehr verlassen können (jeweils nur ein Familienmitglied). Mit 22.000 Flüchtlingen und dem völligen Fehlen von Maßnahmen befürchten wir das Schlimmste.“ Im Februar und März gab es schwere Angriffe gegen die Flüchtlinge und ihre Helfer. „Mehr als durch das Virus sind wir von Faschismus und Rassismus bedroht.“

Eine Mitarbeiterin von Gepa saß bis 3. April in Honduras fest – und berichtete über die Lage der Gepa-Kaffeepartner in Honduras – und den Protest der Menschen gegen die Ausgangssperre.

"Heute haben sich diese Straßenblockaden schon auf die großen Verbindungsstraßen im Land ausgeweitet“, schrieb Andrea Fütterer Ende März. Durch die landesweite totale Ausgangssperre sei sogar das Einkaufen verboten. Dadurch hätten die vielen Kleinhändler und Tagelöhner, die mit ihrem Verdienst von Tag zu Tag für die Ernährung ihrer Familien leben, einfach nichts mehr zu essen. „Alles wird teurer.“ Die Ausgangssperre sei verlängert worden. „Allerdings gibt es jetzt eine Regelung, wer wann einkaufen, tanken oder zur Bank kann: bestimmte Wochentage und Uhrzeiten je nach der Endziffer im Ausweisdokument.“

Bei der Frauenkooperative APROLMA, die Andrea Fütterer besucht hatte, machen sie sich Sorgen, wie sich die Pandemie auf ihre Abnehmer auswirken wird: „Wir wissen nicht, was aus den Firmen und aus den Kunden wird, die unseren Kaffee kaufen“, sagt Dolores Cruz Benitez, die die Kaffeerösterei koordiniert. Derzeit liegt die Anlage still. „Für diese Woche ist es verboten und wir wissen nicht was danach kommt. Wir hoffen dass alles sich normalisiert.“

Gepa: Corona-Krise: Situation der Kaffeepartner in Honduras

Corona: Stimmen unserer Partner

Gebana: Burkina Faso

Das Schweizer Fairhandelsunternehmen Gebana verarbeitet in Burkina Faso Mangos und Cashewnüsse heimischer Bio-Bauern. In einem Blog-Beitrag berichtet das Unternehmen, wie sich Corona dort auswirkt.

Noch sind die Zahlen niedrig: 261 bestätigte Fälle und 14 Tote meldete die Regierung von Burkina Faso Ende März. „Vermutlich sind es mehr, ganz sicher werden es mehr“, heißt es dazu im Gebana-Blog. Seit ein, zwei Jahren sei es mit der Sicherheitslage in dem Land rapide bergab gegangen, mehr als eine halbe Millionen Menschen seien auf der Flucht. Doch selbst in Friedenszeiten hätte das Land dem Virus vergleichsweise wenig entgegenzusetzen: „Es fehlt ausgebildetes Gesundheitspersonal, es gibt nicht genug Spitäler, die überhaupt Patienten mit dem Corona-Virus behandeln könnten, und im ganzen Land existieren nur eine Handvoll Beatmungsgeräte.“ In Burkina Faso herrscht inzwischen Ausgangssperre, die Landesgrenzen sind geschlossen.

Fiebermessen am Fabrikeingang

Um in der Verarbeitung 1,5 Meter Abstand einhalten zu können, seien die Mitarbeiter in Gruppen eingeteilt worden, die sich abwechseln. Dadurch könnten alle weiterarbeiten, kämen aber auf weniger Stunden. „Wir versuchen, die Löhne ohne Reduktion fortzuzahlen. Es gibt hier noch einige ungeklärte Fragen. Wir sind jedoch zuversichtlich, dass wir unser Ziel erreichen werden.“ Wichtig sei es gewesen, das Personal im Umgang mit der Virusgefahr zu schulen. „In der Fabrik selbst müssen die Mitarbeitenden am Eingang Fieber messen. Die Mundschutzpflicht gilt nun für alle, egal ob in der Produktion oder Administration. Regelmäßiges Händewaschen und Desinfizieren gehörten schon vorher zum Standard, aber wir haben die Praktiken nun intensiviert.“

Weiterer Bericht aus Burkina Faso

Bio-Tropic: Europa, Südamerika, Westafrika

Der Ost- und Gemüseimporteur Biotropic hat die Mitarbeiter seiner Niederlassungen über Corona und die Lage vor Ort berichten lassen. Von Frankreich über Costa Rica bis zur Elfenbeinküste.

Ein wichtiges Thema in den Berichten sind Anbau und Lieferfähigkeit. So schreibt Doris Thewes über die Produzenten in Italien: „Die Betriebe arbeiten mit Notbesetzungen, sowohl bei der Feldarbeit als auch im Lager.“ Sie wüssten oft erst am Tag selbst, mit wie vielen Arbeitskräften sie rechnen könnten. Es würden sehr viele Überstunden gemacht. „Alle leisten Außerordentliches!“

Arbeitskräfte fehlen wegen geschlossener Grenzen

Aus Costa Rica schreibt Volker Schmidt: “Es fehlen Arbeitskräfte auf den Feldern, beim Packen. Die Leute bleiben zu Hause. Der Warenfluss reduziert sich. Offensichtlich fehlen auch Arbeitskräfte beim Bestellen neuer Flächen.“ Als Grund nennt er die geschlossenen Grenzen. Arbeitsmigranten aus Nicaragua oder Venezuela kommen nicht mehr ins Land. „Problematisch sind die die Zollpapiere, da stockt es.“ Da auch keine Touristen ins Land kommen, fehle der größte Devisenbringer. „Viele Tausende haben ihre Arbeit im Tourismus in der Dominikanischen Republik und in Costa Rica verloren.“

Verspätungen wegen Ausgangssperre in Frankreich

Aus Spanien heißt es: „Der Warenfluss klappt soweit mit Verzögerung. Viel Ware geht über Frankreich, dort gibt es Verspätungen wegen der Ausgangssperre ab 20 Uhr. Es funktioniert trotz der derzeitigen Verhältnisse unerwartet gut.“ Verlangsamt werde die Produktion, weil die Arbeiter an den Bändern der Verpacker und Sortierer nicht mehr so eng zusammen stehen dürfen.

Elfenbeinküste verschärft Ausfuhrvorschriften

Kuemkwong Siemefo berichtet von der Elfenbeinküste in Westafrika:Unser Personal arbeitet von zuhause aus. Eine effektive Arbeit im Home Office ist aber kaum möglich. Vor allem fehlt die Internetverbindung.“ Die Ausfuhrvorschriften seien deutlich verschärft worden. „Wie sich dies effektiv auf unsere Ausfuhren auswirkt, werden wir in den nächsten Tagen sehen.“

Personal zum Packen fehlt in vielen Ländern

Die Lieferungen kommen meist in den Niederlanden an. „Das größte Problem bei unserem Warenfluss sind die fehlenden Leute, die die Waren verpacken, wie in Peru, Costa Rica, Argentinien und in der Elfenbeinküste. Die haben nur die Hälfte der Leute zur Verfügung“, schreibt Dick Troost.

Die Berichte stammen alle noch aus dem März.

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