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3. Marktgespräch

„Digitalisierung verändert alles“

Was bedeuten Soziale Netzwerke für die Kommunikation mit den eigenen Kunden? Welche Vorteile bieten sie Ladnern und Herstellern, was muss man beachten? Viele Fragen und viele Antworten gab es beim 3. Marktgespräch in Fulda.
09.11.2016 vonNatascha Becker
Was bedeuten Soziale Netzwerke für die Kommunikation mit den eigenen Kunden? Welche Vorteile bieten sie Ladnern und Herstellern, was muss man beachten? Viele Fragen und viele Antworten gab es beim 3. Marktgespräch in Fulda.

„Handel heißt Wandel“, so Klaus Braun, einer der drei Veranstalter der Marktgespräche. Die Reihe will den Fachhandel unterstützen, damit dieser Wandel gelingt. Diesmal stand die nunmehr dritte Veranstaltung in Fulda unter dem Motto „Bio goes Social Media“, und drei Experten beleuchteten die digitalen Möglichkeiten für Ladner und Hersteller aus unterschiedlichen Blickwinkeln.

Den Anfang machte Frank Schomburg von nextpractice. Er erklärte, warum in den Sozialen Netzwerken eigene Regeln gelten, etwa, dass kleine Ursachen bereits große Wirkung entfachen können. Können, nicht müssen. Denn ein Hype lässt sich im Netz genauso schwer vorhersehen wie ein Reinfall oder sogenannter Shitstorm. Aber: „Man kann lernen, wie man es richtig macht“, so Schomburg. Empathie für die Bedürfnisse der Kunden werde zur zentralen Schlüsselkompetenz für Unternehmen, diese müssten die Resonanzpunkte kennen lernen, um dort anzusetzen: „Das Internet ist kein Relevanzmedium wie Zeitschriften sondern ein Resonanzmedium“, erklärte Schomburg.

„Die Digitalisierung verändert alles“ – davon ist Carsten Riemann-Kafsack von JOM Media überzeugt, der die Ergebnisse einer Studie vorstellte, die Bio-Marken in Bezug auf ihre Social Media-Aktivitäten untersuchte. Sie zeigte – wenig überraschend –, dass das Engagement der Fans auf Facebook mit dem der Firmen steigt. Doch nicht jede Resonanz ist nachhaltig. Zwar sorgen etwa Gewinnspiele kurzfristig für steigende Klickraten im Netz, doch es sei äußerst fraglich, ob dies auch auf die Marke abstrahlt. Riemann-Kafsack rät, sich vor dem Einstieg in die Sozialen Medien klare Ziele zu setzen und zu überlegen, was man mit der Präsenz beispielsweise auf Facebook erreichen möchte. Darauf sollte man die passende Strategie ausrichten und den Erfolg regelmäßig überprüfen.

Für die Website Utopia, die rund um das Thema Nachhaltigkeit informiert, hat sich das Engagement auf Facebook gelohnt. Wie Geschäftsführerin Dr. Meike Gebhard im dritten Fachvortrag erläuterte, hielt sich das Wachstum an Nutzern und Mitgliedern in den ersten Jahren in Grenzen. Doch seit man das Konzept – insbesondere für den Facebook-Auftritt – geändert habe, ließe sich ein enormer Anstieg der Zahlen verzeichnen. Utopia habe die Ressourcen und damit das Engagement stark erhöht und mehr Gewicht auf Interaktion gelegt. „Anfangs wurde Facebook eher als Marketingkanal gesehen“, so Gebhard, heute würden die Inhalte für soziale Netzwerke passend produziert. Das müssen keine aufwendigen Videos oder langen Texte sein. Im Gegenteil: Manchmal reicht es, spannende Inhalte anderer Seiten zu teilen oder Fotos mit kurzen Texten zu posten. Wichtig sei jedoch, schnell auf Rückmeldungen zu reagieren. Dann lohnt sich der Einsatz ihrer Meinung nach auch für den Fachhandel. Denn die Präsenz auf Facebook bedeute Kundenbindung und Marketing ohne Streuverluste. Auch Gebhard betont: „Social Media verlangt spezifisches Know-how und Ressourcen“, doch sie ist überzeugt: „Es lohnt sich.“

Facebook schafft neue Gesprächsanlässe

Welche Erfahrungen Ladner und Hersteller in der digitalen Praxis gesammelt haben und wie sie den tatsächlichen Nutzen einschätzen, konnten die Teilnehmer in Workshops am Nachmittag erfahren und diskutieren. So berichtete Renate Haller vom gleichnamigen Bioladen im hessischen Rodgau, wie sie seit fünf Jahren Facebook nutzt, um ihre Kunden zu erreichen und neue zu gewinnen. Etwa 30 Minuten investiert sie jeden Morgen, um neue Inhalte auf Facebook einzustellen. Das sind zum einen die Monatsangebote des Großhändlers, zum anderen bewirbt sie ihre eigenen Veranstaltungen und Verkostungen. Außerdem stellt sie immer wieder Rezepte, Filme, Fotos und kleine Texte ins Netz – beispielsweise von Produktneuheiten oder einer gelungenen Dekoration im Laden. Das schaffe Anlässe zu Gesprächen mit Kunden und somit neue Verbindungen. Aber auch neue Kunden habe sie über Facebook schon gewonnen, so Haller. Wichtig sei jedoch, dass man Spaß an der digitalen Kommunikation habe. „Das ist entscheidend für den Erfolg der Seite“, so die Ladnerin.

Das konnte Sabine Häuslmann vom Biomarkt Neuhoff in Regensburg bestätigen. Sie erklärte außerdem, wie man anhand der Statistiken auf Facebook sehen kann, was gut bei den Kunden ankommt und was nicht. „So bekommt man ein schnelles Feedback, das man beim Verteilen von Flyern beispielsweise nicht bekommt“, so Häuslmann.

In allen Workshop-Gruppen wurde lebhaft diskutiert, denn es gab natürlich auch kritische Stimmen. Nicht alle Teilnehmer sehen sich in der Lage, zusätzlich Zeit und Aufwand in soziale Netzwerke zu investieren. Doch beim Fazit des Tages überwog die Einstellung, dass man sich den neuen Medien nicht verschließen könne: „Wir handeln mit den besten Lebensmitteln, als müssen wir auch in den sozialen Medien die Besten und Glaubwürdigsten werden“, so das
Resümee eines Teilnehmers.

Marktgespräch

Bei den Marktgesprächen diskutieren die Teilehmer mit Experten und Branchenakteuren über Entwicklungen im Bio-Fachhandel – und entwickeln Strategien für die Zukunft.

Seien Sie dabei beim nächsten Marktgespräch!

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